Ex-Fortune bei Udinese in Top-Form

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Maduka Okoye, der einst in der Jugend von Fortuna Düsseldorf spielte und dessen Karriere Transfermarkt seit seinem Länderspiel-Debüt für Nigeria 2019 begleitet, hat bei Udinese Calcio die vielleicht beste Saison seiner Karriere gespielt. Dabei ging die Spielzeit für den 26-Jährigen unter denkbar schlechtem Vorzeichen los: mit einer sechs Ligaspiele währenden Suspendierung durch den italienischen Verband. Wie er sich zurück ins Tor der Bianconeri kämpfte, welche Rolle der frühere 1860- und FCK-Coach Kosta Runjaić dabei spielte und wie er über seine Zukunft denkt, erklärt Okoye nun im Gespräch mit TM.
„Die Saison erst mit zwei Monaten Verspätung zu starten und die ersten sechs Spiele raus zu sein, war speziell und auch schwer für mich“, sagt Okoye. „Ich habe die Vorbereitung mitgemacht wie ein Stammspieler und dann kam das Urteil – das hat mich nicht nur sportlich aus dem Takt gebracht, sondern auch im Kopf. Man fragt sich, warum und was man gemacht hat und hat natürlich auch Ängste.“ Es sei eine harte Zeit gewesen, „in der ich von Udinese, Freunden und meiner Familie echt gut begleitet wurde. Alle standen hinter mir und wussten, dass ich jemand bin, der den Sport aus Leidenschaft ausübt, ihn liebt und mit solchen Sachen nichts zu tun hat“.
Im März 2024 hatte Okoye im Spiel gegen Lazio Rom eine Gelbe Karte gesehen und im Friaul gab es einen verdächtigen Anstieg an Wetten auf dieses Ereignis. Der Keeper sowie drei seiner Freunde gerieten daraufhin ins Fadenkreuz der Ermittlungen. Von dem zunächst erhobenen Vorwurf des Sportbetrugs war Okoye im Juli 2025 freigesprochen worden – ansonsten wäre eine Sperre von bis zu vier Jahren möglich gewesen. Das Gericht der FIGC sprach ihn von allen Vorwürfen frei, schloss „jegliche Beteiligung des Spielers an Sportvergehen aus“. Dennoch wurde Okoye wegen eines Verstoßes gegen den allgemeinen Fairnessgrundsatz für zwei Monate gesperrt und musste inklusive Coppa Italia siebenmal zugucken.
Erst Mitte Oktober, beim 1:1 gegen Aufsteiger Cremonese, durfte Okoye wieder mitwirken. Bis dahin, sagt er, hatte er einen starken Rückhalt „vom Trainerteam um Kosta Runjaić und auch Sportdirektor Gökhan Inler, die mir die Zeit gegeben haben. Das hat letztlich zu dem super Saisonfinale geführt – da steckt viel Arbeit hinter. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben. Dafür bin ich dem Verein, Kosta und meinem Torwarttrainer-Team Alex Brunner, Kris Stergulc und Sergio Marcon sehr dankbar. Auch Gökhan Inler, der sehr viel neben dem Platz mit mir gearbeitet hat. Ich denke, das Resultat dessen hat man in den letzten drei, vier Monaten gesehen.“
Die Kommunikation mit Runjaić, der seit 2024 Udinese-Coach ist, sei durchweg gut gewesen: „Es wurde alles offen besprochen. Daher hat sich für mich persönlich nicht so viel verändert in der Zeit. Natürlich hatte Răzvan Sava als Torwart seine Chance und hat es auch gut gemacht. Aber, wie gesagt, Udinese stand komplett hinter mir und hat sofort nach der Suspendierung wieder auf mich gesetzt. Ich hoffe, dass ich das mit Leistung zurückgezahlt habe und bin über den 10. Platz, der von Anfang an unser Ziel war, sehr froh.“
Wie Okoye lernte, mit Rückschlägen umzugehen
Letztlich hielt Udinese mit 50 Punkten souverän die Klasse. Dass es, wie in den vergangenen Jahren öfter mal, gegen den Abstieg gehen könnte, war eigentlich nie ein Thema. Okoye hatte mit zehn Zu-Null-Spielen und nur 32 Gegentoren in 30 Partien einen großen Anteil daran. Es war, nach Weißen Westen, seine beste Saisonleistung seit seinem Durchbruch bei Sparta Rotterdam in der Eredivisie 2020/21. Okoyes Marktwert stieg über die Saison von 7,5 Millionen auf seinen persönlichen Höchstwert von derzeit 10 Millionen Euro.
Okoye wurde seinem Ruf als Kämpfertyp während dieser Zeit erneut gerecht. Auf die Frage, ob die Phase mit der Suspendierung in Bezug auf seine darauffolgenden Leistungen ein Beispiel für das Motto „ein Schritt zurück, zwei nach vorn“ gewesen seien, sagt er: „Das Kämpfen war schon immer in mir. Auf dem Platz gekämpft und schon in der Jugend, aber auch im Leben generell, mit Rückschlägen umgehen müssen. Ich denke, Letzteres hat mich geformt und mir geholfen, mit Rückschlägen auch auf dem Platz umzugehen. Das Wissen, dass nach dunklen Tagen oder schweren Zeiten auch die Sonne oder gute Zeiten kommen.“ Dass das im Leben so ist, habe er früh gelernt und könne es deshalb auf den Fußball transferieren. „Dabei waren vor allem meine Eltern immer an meiner Seite. Sie mussten viel durchstehen – er kam mit dem Containerschiff nach Europa, sie hat zwei Jobs gearbeitet, damit wir Essen auf dem Tisch haben – und daher hieß es zuhause stets, dass es immer nach vorn und weitergeht. Sie sind Vorbilder für mich.“
Besonders zeichneten Udinese diese Saison die Ergebnisse gegen die Top-Teams der Liga aus: 3:0 bei Milan, 1:0 gegen die Roma, 1:0 gegen Napoli, 1:0 gegen Atalanta – es gab in dieser Saison einige besondere Abende, in denen Okoye mitunter sogenannte unhaltbare Bälle parierte. Welcher der speziellste Spiel war, das könne er beim Blick auf die Ergebnisse gar nicht so einfach beantworten, meint er schmunzelnd: „Aber am Ende muss ich das 3:0 in San Siro nehmen. Am Samstagabend, 18 Uhr – das war schon unglaublich. Gerade auch, weil ich da ein Ding rausgeholt hab … es war am Anfang der 2. Halbzeit, wir führten 2:0 und daher war es, glaube ich, spielentscheidend. Wenn Milan da das 2:1 macht – bei Transfermarkt haben die User ja Ball Knowledge und wissen, wie es im Fußball manchmal läuft –, dann kann es gefährlich für uns werden. Ein ganz besonderer Abend, den ich für den Rest meines Lebens sicher nicht vergessen und was ich meinem Sohn und den Kindern in meiner Familie erzählen werde.“

Spieler von Udinese Calcio bejubeln eine Parade von Torwart Maduka Okoye beim 3:0 gegen AC Milan in San Siro
Vertrag bis 2028: So denkt Okoye über seine Zukunft
Okoyes Vertrag ist noch bis 2028 gültig und mit starken Leistungen sowie damit einhergehenden Marktwert-Steigerungen weckt man in der Regel Interesse. Er sei bei Udinese aber „wirklich sehr glücklich“ und schätze „den Verein, alle Mitarbeitenden, die wunderschöne Stadt, die meine zweite Heimat geworden ist, und die Menschen sehr. Auch den Frieden und die Routine, die ich hier gefunden habe. Natürlich habe ich in meiner Karriere auch noch Ziele, aber derzeit ist mein Kopf komplett bei Udinese. Ich genieße es, ohne zu viel an die Zukunft zu denken. Im Fußball kann es schnell gehen und wenn es mal so kommt, weiß ich, dass der Verein gut aufgestellt ist und ich ihm noch eine schöne Ablöse einbringen kann. Aber bis dahin bin ich zu 100 Prozent Udinese-Profi.“
Es hätten sich in den vergangenen Wochen Interessenten bei seiner Berateragentur gemeldet und sich deren Pläne anzuhören sei „Part of the Game“ und zugleich eine Bestätigung der Leistung. Nach Transfermarkt-Infos gibt es grundsätzliches Interesse aus allen Top-4-Ligen, auch aus der Bundesliga, und Top-Teams der türkischen Süper Lig. „Ein guter Push für mich als Person, zu wissen, dass man gefragt ist und bei dem einen oder anderen Klub auf der Liste steht. Letztlich überlasse ich das aber natürlich meinen Beratern, wo ich in überragenden Händen bei Gabriele Giuffrida und Co. bin. Das ist deren Part und ich habe absolutes Vertrauen in ihre Arbeit.“

Nigerias Nationalkeeper Maduka Okoye pariert im Freundschaftsspiel gegen Polens Starstürmer Robert Lewandowski
Sollte es auf dem Transfermarkt für Udinese und Okoye bis Ende August noch mal ernst werden, wäre der Verein wohl sogar schon vorbereitet. Neben dem rumänischen Nationalspieler Sava (23) und Routinier Daniele Padelli (40) steht auch U20-Nationalkeeper Alessandro Nunziante (19) Stand jetzt zur Verfügung. Der 2025 für 1,5 Mio. Euro Ablöse aus Benevento gekommene Youngster sei „wirklich ein Riesentalent und es macht großen Spaß, im Training zu sehen, was er schon in jungen Jahren draufhat. Ich bin mir sicher, dass er in Zukunft mit seinen Qualitäten die Möglichkeit hat, das Tor von Udinese zu verteidigen. Die Torwarttrainer des Vereins haben ja schon einige große Torhüter rausgebracht wie Alex Meret, Guglielmo Vicario oder Samir Handanovič. Man weiß, wie man hier mit jungen Keepern arbeiten muss. In den Händen des aktuellen Teams ist Alessandro gut aufgehoben und kann hier die Zukunft im Tor sein.“
Ein großes Lob hat Okoye auch für seinen vielleicht namhaftesten Teamkollegen: Nicolò Zaniolo. Der 26-Jährige hat in Udine nach einigen Jahren der sportlichen Talfahrt zu seiner Top-Form zurückgefunden und steuerte fünf Tore sowie sechs Vorlagen zum 10. Platz bei. Die mit Galatasaray vereinbarte Kaufoption in Höhe von 5 Mio. Euro hat Udinese deshalb gezogen.
Dass Zaniolo ein, wie ihm schon oft vorgeworfen wurde, schwieriger Charakter sei, könne Okoye nicht bestätigen: „Nicolò ist ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft. Seine Qualitäten waren für das Spiel, das Kosta sich vorgestellt hat, essenziell. Es hat schon seine Gründe, warum er mal als DAS Riesentalent in Italien galt. Nicht nur wegen seiner Scorer, sondern auch wie er Bälle festmacht, andere Spieler in Aktion setzt – einfach entscheidend für uns als Team. Es mag sein, dass da draußen irgendwo darüber gesprochen wird, dass er kein einfacher Charakter ist, aber er hat für uns alles auf dem Platz gelassen und für gute Stimmung sowie Motivation gesorgt. Dafür sind wir ihm dankbar und auch sehr froh, dass er hierbleibt.“
Erfolg hatte Okoye 2025/26 nicht nur im Verein, sondern nach einigen schwierigen Jahren auch wieder in der Nationalmannschaft. Dort war er zwischen 2020 und 2022, in der Folge aber lange außen vor. Bei drei von sechs Länderspielen 2026 stand er wieder in der Startelf: „Bei der Nationalelf hatte ich dieses Jahr einen guten Lauf und einen für mich super Abschluss mit den Spielen gegen Polen (2:2) und Portugal (1:2). Gegen Spieler wie Robert Lewandowski oder Cristiano Ronaldo zu spielen, ist etwas Besonderes.“ Lachend fügt er an, dass nach dem Aufeinandertreffen mit dem portugiesischen Superstar sein Instagram-Account beinahe die Millionen-Marke geknackt hätte.
Okoye weiter: „Mal abgesehen von der Leistung, mit der ich persönlich sehr zufrieden bin, ist der Spaß, den ich die letzten Monate auf dem Platz hatte, unbezahlbar. Ich bin Nationaltrainer Éric Chelle sehr dankbar, dass er mir diese Spiele und sein Vertrauen gegeben hat. Wir haben viele gute Torhüter, die es auch verdient hätten, aber er hat mir die Chance gegeben, mich zu zeigen. Und ich hoffe, dass ich das mit Leistung zurückzahlen konnte. Ich hoffe, dass er und sein Trainerteam diesen Weg mit Nigeria weitergehen. Es macht viel Spaß, unter ihm zu spielen.“
Interview und Text von Marius Soyke
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