Gegen Gladbach eingewechselt

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Am Mittwoch unterschrieb Maycon Cardozo (17) einen neuen Vertrag beim FC Bayern, zwei Tage später stand er gegen Borussia Mönchengladbach (4:1 (2:0)) erstmals im Bundesliga-Aufgebot und wurde in der 60. Minute eingewechselt. Das Besondere: Der Brasilianer ist das erste Talent aus der World Squad, das den Weg zu den Profis schafft – in gerade mal zwei Jahren. Ein Fußballmärchen, das 8.800 Kilometer entfernt begann.
In São Paulo als Sohn des Ex-Stürmers Douglas Cardozo geboren, wuchs Maycon in Thailand auf, wo sein Vater ab 2010 aktiv war. In der Sports Thai Bavaria Academy, die mit dem FC Bayern eng zusammenarbeitet, machte er in mehreren Nachwuchsteams erstmals auf sich aufmerksam. Im April 2024 gelang ihm vom Bangkok Christian College der Sprung ins internationale U18-Team der Global Academy der Münchner, wo er sich für einen Platz in der World Squad empfahl.
Bei dem 2021 von den Bayern ins Leben gerufenen Projekt werden U19-Spieler aus der ganzen Welt ausgewählt und dabei unterstützt, ihren Traum vom Profifußball zu verwirklichen. Doch die ganz große Erfolgsgeschichte blieb bislang aus. In den Erstliga-Fußball schafften es aber unter anderem José Mulato (23, HSK Posusje), Manuel Aguilar (23) und Isaias Galván (20, beide Tigres UANL), Viktor Baier (21, Viktoria Pilsen), Tarik Scott (20, Lexington SC), Victor Orakpo (20, AS Nancy-Lorraine), Felix Amofa (18, Accra Lions) oder Giovanni De Abreu (18, Perth Glory).
Cardozo als Vorreiter der FC Bayern World Squad
Als erster Spieler für einen Vertrag beim FC Bayern konnte sich das nigerianische Talent Daniel Francis (22) empfehlen. Nach seiner Verpflichtung im Sommer 2022 wurde er direkt an Austria Klagenfurt verliehen, im Anschluss wechselte er zum FC Wacker Innsbruck, wo er heute in der drittklassigen Regionalliga kickt. Auch Nachfolger David Emmanuel (19) erhielt im Januar 2025 einen Vertrag in München, ging erst zu Hessen Kassel und spielt nun in Tschechiens 3. Liga beim SK Kladen. Mit Cardozo, der dank eines portugiesischen Passes ebenfalls vor einem Jahr als 16-Jähriger beim FC Bayern unterschreiben konnte, trägt die Arbeit nun endlich auch Früchte für die Münchner.
„Er kam erst in den letzten vier Wochen der 2024er World Squad auf Empfehlung von der Global Academy zu uns, weil sich ein anderer Spieler schwer verletzt hatte“, erinnerte sich sein damaliger Trainer Roy Makaay in einem Beitrag für die Vereinswebsite. Cardozo war mit 15 noch deutlich jünger als viele andere, sein Talent sei aber schon damals unverkennbar gewesen. „Maycon hat im Rahmen der World Squad drei Partien in den USA und zwei in Deutschland absolviert. Das hat uns gereicht, um ihn bei den Verantwortlichen des Campus zu empfehlen“, schwärmte der Ex-Bayern-Stürmer. Ein Probetraining bei der U17 räumte letzte Zweifel aus.

Dort musste Cardozo nur kurz nach seiner Unterschrift einen Rückschlag hinnehmen. Durch eine Schulterverletzung verpasste er den Großteil der Rückrunde. Doch der Brasilianer kam umso beeindruckender zurück. Im vergangenen Sommer rückte er zur U19 auf, für die er in 17 Spielen je fünf Tore und Vorlagen beisteuerte. Als erstes Talent aus der World Squad schaffte es Cardozo im Oktober ins Profitraining, wo er fortan regelmäßig dabei sein durfte. Nach einem Testspieleinsatz gegen Salzburg (6:0) ging es im Winter weiter zu den Amateuren, wo er in den ersten zwei Regionalliga-Partien des Jahres gleich in der Startelf stand. Nun folgt mit der Nominierung durch Vincent Kompany die nächste Belohnung.
Cardozo überzeugt beim FC Bayern mit Spielwitz und Durchsetzungsvermögen
„Er ist technisch super ausgebildet, dribbelstark, flink und schnell sowie beidfüßig gefährlich im Abschluss“, fasste Makaay die Stärken Cardozos zusammen. Trotz seiner nur 1,65 Metern Körpergröße – kein Bundesliga-Profi ist kleiner – überzeugte der Brasilianer auf der linken oder rechten Außenbahn mit Spielwitz und Durchsetzungsvermögen. „Man sieht deutlich, wie er sich in einem Jahr bei Bayern weiterentwickelt hat – besonders körperlich. Das Training ist extrem anspruchsvoll und zahlt sich aus. Er muss sich in dieser Liga gegen erwachsene Spieler behaupten, das wird ihn weiterbringen.“

Nach der Unterschrift unter einen neuen langfristigen Fördervertrag soll Cardozo, der intensiv an seinen Deutschkenntnissen arbeitet, die steile Entwicklung peu à peu fortsetzen und sein Fußballmärchen mit dem Profidebüt krönen. Sein Vater feierte 2002 mit dem Meistertitel in der Heimat Brasilien beim FC Santos den größten Erfolg. In Europa waren ihm nur vier Erstliga-Einsätze in Polen bei Widzew Lodz vergönnt. Sein Sohn bringt das Potenzial mit, ihn in den Schatten zu stellen. „Maycon hat den Willen und das Talent, sich im Profibereich zu etablieren. Wo genau sein Weg ihn hinführt, wird sich zeigen“, meinte Makaay.



