Nur zwei Siege aus elf Spielen

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Am Samstag rettete der FC Kopenhagen beim selbstbewusst aufspielenden Aufsteiger Odense BK mit einem Treffer in der Nachspielzeit ein 2:2 (1:0) und damit die Chance, als amtierender Meister die Abstiegsrunde der dänischen Superliga zu umgehen. Trotz einem rund viereinhalbfach höheren Kaderwert wirkte das Kopenhagener Angriffsspiel ideenarm und leidenschaftslos. Den Profis war deutlich anzumerken, dass sie den eigenen Ansprüchen hinterherlaufen – ein alarmierendes Bild für einen Klub, der eigentlich um die Meisterschaft spielen wollte.

FC Kopenhagen droht Super-GAU: Letzte Chance gegen Randers
Der FC Kopenhagen steht vor einem entscheidenden Wochenende: Ein Sieg gegen den formschwachen Randers FC im heimischen Parken könnte den Absturz in die Abstiegsrunde verhindern. Dass man dieses Schicksal aus eigener Kraft verhindern kann, liegt daran, dass die direkte Konkurrenz auf dem 5. und 6. Platz – Viborg FF und Nordsjaelland – gegeneinader spielen und sich so die Punkte wegnehmen.
Von Meisterschaftsambitionen spricht in der Hauptstadt niemand mehr – stattdessen geht es um Schadensbegrenzung. Am Montag musste Spordirektor Sune Smith-Nielsen nach anderthalb Jahren seinen Posten räumen. Sinnbildlich für die sportliche Krise ist der Kaderwert. Während dieser bei 75 Prozent der Klubs aus der Superliga gesteigert werden konnte, ging er beim FC Kopenhagen seit Saisonbeginn um 20,5 Prozent zurück.
Trainer Jacob Neestrup sagte auf der Pressekonferenz nach dem 2:2: „Ich empfinde die Situation als belastend – so ist es nun mal. Es macht keinen Spaß. Wir müssen da raus, unbedingt.“ Seine Analyse fiel klar aus: „Kurzfristig müssen wir alles geben, um unter die ersten Sechs zu kommen. Scheitern wir daran, wird’s kompliziert. Dann müssen wir uns über die Playoffs für Europa qualifizieren – es sei denn, wir ziehen ins Pokalfinale ein und gewinnen es. Sogar die Meisterschaft ist theoretisch noch möglich, selbst wenn wir alle verbleibenden Spiele gewinnen, müssen wir uns fragen: Was zum Teufel ist seit Mitte Oktober in der Liga schiefgelaufen?“ Seit dem 5. Oktober holten die Hauptstädter in der Liga zwei Siege aus elf Partien.
Ob Nestrup langfristig Teil der Lösung sein wird, ist offen. Laut „Tipsbladet“ gilt er als heißer Kandidat beim RSC Anderlecht. Vor allem seine starken internationalen Auftritte haben seinen Ruf gefestigt: In dieser Champions-League-Saison präsentierte sich seine Mannschaft konkurrenzfähig und holte doppelt so viele Zähler wie Eintracht Frankfurt und genau so viele wie die SSC Neapel. 2024/25 scheiterte man erst im Achtelfinale der Conference League knapp am späteren Sieger Chelsea.
Transfers wie Moukoko und Sarapata floppten größtenteils
Finanziell wäre ein Verpassen der europäischen Wettbewerbe fatal. Der teure Kader – zwei Drittel der Verträge laufen bis mindestens 2028 – droht zur Belastung zu werden. Zwar verbuchte der Klub einen Transferüberschuss von rund 2,7 Millionen Euro, vor allem durch den 20-Millionen-Abgang von Victor Froholdt zum FC Porto.
Doch die hochgelobten Neuzugänge enttäuschten: Der für 5 Mio. Euro vom BVB geholte Youssoufa Moukoko steckt in der Reservistenrolle fest. Der 4 Mio. Euro teure Dominik Sarapata wurde bereits im Januar ohne Superliga-Einsatz zurück nach Polen verliehen.
Bei einem Kaderwert von 74 Millionen Euro wirft das Fragen zur Transferstrategie auf. Ein Lichtblick ist hingegen Aurélio Buta, der am Deadline Day ablösefrei von Eintracht Frankfurt kam. Der Außenverteidiger stand seither in allen drei Superliga-Partien über die volle Distanz auf dem Platz und zeigte in Odense eine solide Leistung.
Moukoko – Vom Hoffnungsträger zur teuren Fehlinvestition?
Moukoko kam im Sommer mit großen Erwartungen als potenzieller Stammspieler. Doch diese erfüllte er nicht: Der ehemalige BVB-Profi, einst mit 30 Millionen Euro bewertet, kam nur auf 785 Ligaminuten und verschwand seit Dezember weitgehend aus dem Kader. In Odense wurde er in der 75. Minute für Viktor Claesson eingewechselt und zeigte zwar anfangs Engagement, blieb aber ohne Wirkung. Mit einem geschätzten Jahresgehalt von einer bis 1,5 Mio. Euro entwickelt sich der 21-Jährige zum finanziellen Risiko. Eine Leihe oder ein Verkauf im Sommer gilt als wahrscheinlich – doch welcher Klub ist bereit, dieses Projekt weiterzuführen?
Midtjylland zeigt, wie erfolgreiche Transferpolitik funktioniert
Während Kopenhagen strauchelt, glänzt der FC Midtjylland mit einem klaren Konzept. Spieler wie Franculino und Darío Osorio steigern ihren Marktwert rasant und bilden inzwischen einen beträchtlichen Anteil des gesamten Kaderwerts von 99 Mio. Euro.
Gleichzeitig zeigt sich die Mannschaft sportlich konstant, vermeidet größere Aussetzer in der Liga und gehört international zu den Überraschungen: Als Drittplatzierter der Europa-League-Gruppe wartet Midtjylland auf seinen Playoff-Gegner fürs Viertelfinale. Bemerkenswert ist dies auch, weil der Klub fernab des Hauptstadtglanzes arbeitet. Dennoch hat er sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben entwickelt und liegt derzeit zwei Punkte hinter Spitzenreiter Aarhus GF.
Kopenhagener Fanliebe weiterhin ungebrochen
Die Unterstützung der FCK-Anhänger für Trainer und Mannschaft ist trotz der schwierigen Lage unerschütterlich. Selbst beim zwischenzeitlichen 0:2 war von einer feindseligen Stimmung nichts zu spüren – typisch für den dänischen Fußball, der für Ruhe, Geduld und Loyalität steht.
Doch trotz der beeindruckenden Fankultur deutet alles darauf hin, dass es in dieser Saison weder für den Titel noch sicher für den internationalen Wettbewerb reicht. Sportökonom Jesper Jørgensen erklärte gegenüber „Viaplay“: „Der FC Kopenhagen baut seine Geschäftsstrategie darauf auf, mindestens in der Europa League zu spielen. Wenn das im Budget für 2026/2027 eingeplant wurde, fehlen dem Verein in der kommenden Saison schnell über 100 Millionen Kronen.“ Das entspricht einem Loch im Budget von rund 13,4 Mio. Euro.
Text von TM-User Andreas Cornelsen (Andilife84)



