SK Beveren feiert historischen Aufstieg in Belgien: Jubel und Tränen

SK Beveren feiert historischen Aufstieg in Belgien: Jubel und Tränen

Trainertalent Reedijk überzeugt 

SK Beveren feiert historischen Aufstieg in Belgien: Jubel und Tränen

©TM/IMAGO

Der SK Beveren ist nach fünf Jahren zurück in der Jupiler Pro League. Seit Sonntagnachmittag stehen die Ostflamen dank einer historischen Leistung in der Challenger Pro League als Aufsteiger fest. Seit dem Saisonstart ist das Team von Trainer Marink Reedijk ungeschlagen und holte 66 von 72 möglichen Punkten – Rekord nach 24 Partien. 21 Zähler Vorsprung auf die Playoff-Plätze reichen somit schon Ende Februar zum Feiern. Eine Entwicklung, die auch der FC Augsburg verfolgen dürfte.

Die Fuggerstädter haben wie etwa auch Crystal Palace mit dem US-Amerikaner David Blitzer bzw. seiner Global Football Holdings denselben Investor. Viel Geld nahm Beveren deswegen aber nicht in die Hand – ganz im Gegenteil. „Ein großer Teil des Verdienstes gebührt Sportdirektor Bob Peeters, der eine ausgewogene Mannschaft zusammengestellt hat, die sich in erster Linie auf Erfahrung stützt“, erklärt Bart Tamsyn, Area Manager Belgien bei Transfermarkt. „Da sind zum Beispiel der 37-jährige Christian Brüls als Top-Vorlagengeber, der 33-jährige Lennart Mertens als Top-Torschütze, der 33-jährige Bruno Godeau als Abwehrchef und Kapitän Laurent Jans, ebenfalls 33.“ Alle kamen ablösefrei.

Neben der erfolgreichen Transferpolitik ist es aber vor allem der mutige Fußball des erst 34 Jahre alten niederländischen Trainers, der in seinem zweiten Jahr zum Erfolg führte. „Marink Reedijk ist es gelungen, eine starke Defensive aufzubauen, gepaart mit intelligenten Angriffen und zielorientiertem Spiel. Es ist daher keine Überraschung, dass Beveren sowohl den besten Angriff als auch die beste Verteidigung in der belgischen zweiten Liga hat“, so Tamsyn weiter. Reedijk setzt auf hohes Pressing, intensiven Fußball und Dominanz. „Ein bisschen Mut, ein bisschen Übermut“, fasste es Reedijk im Gespräch mit „NOS“ zusammen. „Aber effektiv, nicht Fußball spielen um des Fußballspielens willen.“

Trainertalent Reedijk formt SK Beveren zum Aufstiegsfavoriten

Reedijk brachte einen erfrischenden und unverwechselbaren, attraktiven Fußballstil mit. Schon als Teenager trainierte er Jugendmannschaften beim niederländischen Verband, später bei Ajax Amsterdam und West Bromwich Albion. Es folgten Stationen als Assistent bei der KSV Roeselare und Vitesse Arnheim, dort unter Thomas Letsch und Phillip Cocu. Im Sommer 2023 übernahm er das Traineramt bei RSCA Futures, der Reserve von Anderlecht, bevor es ein Jahr später nach Beveren ging. Dort steht nach 59 Partien ein Punkteschnitt von 2,1 zu Buche.

„Der Verein hat eine treue Fangemeinde und ist sehr traditionsreich. Ein Verein, der von der Begeisterung vergangener Zeiten, den glorreichen Zeiten in Europa, lebt“, erklärte Reedijk. Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre feierte Beveren mit Größen wie Jean-Marie Pfaff, Wim Hofkens, Jean Janssens oder den Deutschen Heinz Schönberger und Erwin Albert zwei Meisterschaften und maß sich im Europapokal mit Spitzenvereinen wie Inter Mailand oder dem FC Barcelona. Nach turbulenten Jahrzehnten voller Namensänderungen, Streitigkeiten um Registrierungen und Lizenzen, Fusionen und Abstiegen war der traditionsreiche Verein kaum wiederzuerkennen.

„Die Verbindung zu den Fans war verloren gegangen. Am Anfang war das schwierig, es gab viel alten Groll. Die Fans waren aufgrund des Niedergangs nicht mehr stolz auf den Verein und es gab zu viel Unklarheit“, blickte Reedijk zurück. Der Niederländer konnte aber nicht nur die Verantwortlichen um Sportdirektor Peeters, einst auch bei Vitesse als Profi aktiv, überzeugen, sondern auch die Anhänger. Der Jubel nach dem 4:1 bei Patro Eisden Maasmechelen am Sonntag war entsprechend grenzenlos.

© IMAGO | Die Profis des SK Beveren feiern ausgelassen mit ihren Fans den Aufstieg

Die Profis des SK Beveren feiern ausgelassen mit ihren Fans den Aufstieg

„Unbesiegt bleiben“, lautet Reedijks einfaches Erfolgsrezept für den frühen Aufstieg. „Eine beispiellose Leistung“, bilanzierte er. „Die Konkurrenz ist hart, es ist keine leichte Liga.“ Seine Mannschaft soll nun im Saisonendspurt nicht nachlassen. „Mein Fokus liegt jetzt sofort auf dem nächsten Ziel: Meister werden“, so Reedijk. Er möchte den Fans noch viel zurückgeben. „Der Sonntag war schon sehr schön, wenn man die Geschichten von Menschen hört, die ihren Stolz auf den Verein verloren hatten und jetzt mit Tränen in den Augen sagen, dass sie wieder eine Mannschaft sehen, die für den Verein kämpfen will. Dafür macht man das alles.“

SK Beveren richtet Blick schon in die Zukunft

Der Blick der Verantwortlichen richtet sich aber auch schon auf die kommende Saison. „Peeters hat noch einiges zu tun. Nicht weniger als 16 Spieler haben auslaufende Verträge. Außerdem wird Beveren in der Jupiler Pro League möglicherweise nicht mehr so dominant und so hoch spielen können wie derzeit. Wie wird der Verein damit umgehen? Zudem mangelt es an Schnelligkeit in der Abwehr“, blickt Belgien-Experte Tamsyn voraus. „Dennoch möchte Peeters 80 bis 85 Prozent des Kaders zusammenhalten und nur wenige Änderungen vornehmen, wenn sich Gelegenheiten ergeben.“

Ein schmerzhafter Abgang könnte zwischen den Pfosten drohen. Torhüter Beau Reus (24) hat sich ins Rampenlicht gespielt, zehnmal blieb er ohne Gegentreffer. Sein Marktwert stieg in dieser Saison von 700.000 auf 1,2 Millionen Euro, womit er der wertvollste Spieler Beverens und der viertwertvollste Profi der Challenger Pro League ist. Die Hoffnungen der Fans liegen aber darauf, dass Sportdirektor Peeters weiter ein glückliches Händchen bei der Kaderplanung beweist.

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