Zidane-Effekt statt Klopp: Real Madrid setzt auf kleine Lösung Arbeloa

Zidane-Effekt statt Klopp: Real Madrid setzt auf kleine Lösung Arbeloa

Kleine Lösung in Madrid 

Zidane-Effekt statt Klopp: Real Madrid setzt auf kleine Lösung Arbeloa

©IMAGO

Jürgen Klopp wollte nach dem Aus von Xabi Alonso bei Real Madrid erst gar keine Spekulationen aufkommen lassen. „Das hat natürlich mit mir gar nichts zu tun, und es hat in mir auch nichts ausgelöst“, sagte der Erfolgscoach beim österreichischen Sender „ServusTV“ nach dem Trainer-Beben beim spanischen Rekordmeister. Neue Gerüchte um den Deutschen kamen am Dienstag dennoch auf. Stattdessen steht zunächst ein enger Freund von Alonso in der Verantwortung: Álvaro Arbeloa – als Coach ein Anfänger. Wie geht es mit ihm weiter?

Das Comeback des Jahres von Klopp wird es also nicht geben, auch wenn er laut Transfer-Experte Fabrizio Romano im Management des Klubs einige Fans hat und der TV-Sender „Sky“ behauptet, der Deutsche sei für eine Sommer-Lösung zumindest nicht abgeneigt. Er fühle sich in seiner aktuellen Rolle als Global Head of Soccer bei Red Bull „am richtigen Ort“, so Klopp, der vor anderthalb Jahren nach seiner langen Zeit in Liverpool aus dem Trainergeschäft ausgestiegen war.

Nach der ersten Trainingseinheit sagte Alonso-Nachfolger Arbeloa, er betrachte sich nicht als Notnagel. Er trete den Job mit viel Vorfreude, aber nicht mit hohen Ansprüchen an. „Ich werde bleiben, solange der Klub mich will. Ich habe keine Angst vor dem Scheitern.“ Aber Arbeloa weiß auch: „Hier zählen nur Siege. Real Madrid heißt: gewinnen, gewinnen und noch mehr gewinnen.“

Pérez hofft auf Zidane-Effekt – Klopp: „Real bedeutet so Endstufe“

Der allmächtige Real-Präsident Florentino Pérez hofft nach der Trennung des früheren Leverkusener Meistertrainers nun auf den Zidane-Effekt. Ähnlich wie einst bei der Beförderung des französischen Superstars – Zinédine Zidane – Anfang 2016 soll der 42 Jahre alte Arbeloa als bisheriger Coach der zweiten Mannschaft Real wieder zu neuen Erfolgen führen und die in letzter Zeit sich häufenden Demütigungen von Erzrivale FC Barcelona abstellen.

Die nur kurze Ära von Alonso war am Montag nach 232 Tagen zu Ende gegangen – einen Tag nach dem 2:3 im spanischen Supercup-Finale gegen Barça. Schon im Dezember stand der frühere Weltklasse-Spieler vor dem Aus, ehe sich das Team um Superstar Kylian Mbappé etwas stabilisierte, aber keineswegs glänzte. „Dieses Kapitel meiner Karriere ist nun zu Ende, und es ist nicht so verlaufen, wie wir es uns gewünscht hätten. Trainer von Real Madrid zu sein, war mir Ehre und Verantwortung zugleich“, schrieb Alonso auf „Instagram“. Er gehe „mit Respekt, Dankbarkeit und dem Stolz, mein Bestes gegeben zu haben“, so der Coach.

Aufmunternde Worte gab es von Klopp. „Das tut mir wirklich leid für ihn, weil ich halte ihn wirklich für einen großartigen Trainer, und es wird für ihn natürlich auch weitergehen. Aber das war sein Verein und ich glaube, Real Madrid bedeutet für die meisten Trainer so Endstufe. Wenn man mal da ist, dann möchte man da bleiben“, sagte Klopp über Alonso.

Arbeloa mit hervorragender Entwicklung

Nun also Arbeloa. Die Fachzeitung „Marca“ erhob den Alonso-Freund gleich zum „neuen Zinédine Zidane“. Der Franzose hatte nach einer erfolgreichen Profikarriere bei Real auch zunächst als Coach des B-Teams angefangen, bevor er schließlich Toni Kroos & Co. dreimal in Serie zum Champions-League-Triumph führte.

Er habe nach der Entscheidung des Klubs „natürlich“ mit Alonso gesprochen. „Ihr alle hier wisst, welche Freundschaft mich mit ihm verbindet. Ich schätze ihn sehr, und ich weiß, dass das auf Gegenseitigkeit beruht. Und so wird es bleiben. Er hat mir alles Gute gewünscht.“ Den Rest des Gesprächs behalte er für sich.

Innerhalb des Klubs wird Arbeloa – als Spieler Welt- und Europameister mit Spanien – für seine moderne Herangehensweise geschätzt, etwa für den Einsatz von Drohnen für Trainingsaufnahmen und seine aktive Einflussnahme während der Spiele, mit der er das B-Team auf Platz vier der dritten Liga führte. Zudem wird seine enge Verbindung zu mehreren Profis des Teams und seine Erfahrung als ehemaliger Spieler hervorgehoben, die ihm, wie es in Madrid heißt, Glaubwürdigkeit und Autorität im Kader verschaffen.

„Special One“ als Vorbild – Schwere Aufgabe bei Real

Er könne mit dem vorhandenen Kader ähnliche Erfolge wie Zidane erringen, heißt es in Madrid; auch wenn er als Coach und charakterlich eher mit dem früheren portugiesischen Real-Trainer José Mourinho verglichen wird. „The Special One“ galt als Motivationskünstler, war aber auch ein umstrittener Provokateur. Ein ganz anderer Typ Trainer und Mensch also als der eher ruhige Alonso. Natürlich wurde Arbeloa auf der Pressekonferenz zu Mourinho gefragt: „Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen. Für mich war es ein Privileg, von ihm trainiert zu werden. Es ist eine Person, die mich sehr geprägt hat.“

Leicht wird seine Aufgabe nicht sein. Die Nerven liegen bei Real blank. Die Trennung von Alonso war eine Folge der sportlichen Krise: Neben der Niederlage gegen Barcelona im Supercup-Finale hinkt Real auch in der Liga dem Team von Trainer Hansi Flick mit vier Punkten Rückstand hinterher. In der Champions League rangieren die Madrileños derzeit nur auf Platz sieben – die Playoffs drohen. Dass Alonso der Alleinschuldige für die Real-Krise war, wird in Madrid aber nicht überall geteilt. Auch der Zwist mit Ex-Weltfußballer Vinícius Junior beschädigte den Ruf des in Leverkusen noch so gefeierten Alonso.

Die Berichte über den angeblich sehr komplizierten Kader lassen Arbeloa aber vorerst kalt. „Wir haben einen Kader mit großartigen Fußballern, und es sind alles gute Jungs. Niemand ist mehr daran interessiert, Titel zu gewinnen, als die Spieler.“

Arbeloa muss sich nun zunächst in der Fußball-Provinz bewähren. Bereits am Mittwochabend steht das Pokal-Achtelfinalspiel gegen den Tabellen-17. der 2. Liga an, Albacete Balompié. Für den Neuen gibt es keine große Einarbeitungszeit. Schon am Samstag folgt das Liga-Duell gegen UD Levante und am Dienstag darauf erneut vor eigenem, sehr anspruchsvollen Publikum im Santiago-Bernabeu-Stadion das Champions-League-Duell mit der AS Monaco. Die Probezeit läuft (zu Reals Spielplan).

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