Kolumne „Inside America“: Das große Verdrängen
Felix Holtermann schreibt an dieser Stelle wöchentlich im Wechsel mit den anderen US-Korrespondenten des Handelsblatts die Kolumne „Inside America“. Foto: Max Brunnert, Getty [M] Handelsblatt
Austin. „Keep Austin Weird“ („Austin bleibt seltsam“) ist das inoffizielle Motto der texanischen Hauptstadt. Es steht für die linksliberale Atmosphäre der Stadt, einer demokratischen Hochburg im republikanischen Texas. Groß geworden ist Austin durch seine Musik- und Studentenszene; seit 1987 findet hier die „South by Southwest“ (SXSW) statt, das berühmte Musik-, Film- und Tech-Festival, das gerade läuft. Entsprechend laut dürften die Debatten rund um die US-Politik sein, richtig?
Schließlich gibt es kein Thema, das die US-Bürger mehr umtreibt: Die Einwanderungsbehörde ICE verhaftet Amerikaner vor Baumärkten, der Iran-Krieg geht in seine dritte Woche ohne klares Ziel, die Zwischenwahlen stehen vor der Tür, laut Beobachtern die „Schicksalswahlen“ für die Zukunft der US-Demokratie. Ergo dürfte sich all das im Programm der SXSW niederschlagen – könnte man meinen. Die Realität sieht anders aus.
Das SXSW-Programm umfasst über 850 Panels, 600 Netzwerkveranstaltungen und 675 Film- und Musikvorführungen. Es gibt Panels zu „Sex im Weltraum“, psychoaktiven Drogen als „bahnbrechender Zukunft der mentalen Gesundheit“, der Gemeinschaft von „Gehirnen und Robotern“ und vielem anderen mehr. Doch im umfangreichen Programmkatalog findet sich keine einzige Veranstaltung zu „Trump“, zum „Iran“ oder zu „ICE“, sieht man von der Verköstigung neuer Speiseeismarken ab.
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