„Wenn König Harald stirbt, zerbricht die Monarchie“

„Wenn König Harald stirbt, zerbricht die Monarchie“
Was Norweger über Marius-Prozess denken

„Wenn König Harald stirbt, zerbricht die Monarchie“

Toska Kelmendi

Pauline Naethbohm

von Pauline Naethbohm

17.03.2026, 16:39 Uhr

17. März 2026 um 16:39 Uhr

Der Marius-Prozess hat ganz Norwegen erschüttert. Was die Norweger über die Verhandlung denken – und welche Konsequenzen sie für die Monarchie sehen.

Eigentlich waren die Norweger immer stolz auf ihr Land und ihre Royals, erklärt ein junger Norweger mit Basecap im Gespräch mit BUNTE.de. Doch der Marius-Prozess habe dieses Selbstverständnis mächtig erschüttert. „Das ist gerade ein Realitätscheck“, sagt er und lächelt gequält. „Das ist absurd. So ein Skandal passt gar nicht rein.“

Prozess um Marius Borg Høiby: „Es ist schrecklich, was er getan haben soll“

Seit Anfang Februar muss sich Marius Borg Høiby (29) vor Gericht verantworten. Er ist in 40 Punkten angeklagt, darunter Vergewaltigung und Körperverletzung. „Es ist schrecklich, was Marius getan haben soll“, sagt der junge Mann. 

Die mutmaßlichen Straftaten des Sohns von Mette-Marit von Norwegen (52) würden auch ein Schatten auf das Königshaus werfen. „Das sorgt schon dafür, dass man die Monarchie hinterfragt“, sagt er. „Aber man kann sie ja nicht einfach abwählen, das ist schwierig.“ 

Norwegisches Parlament stimmte für den Erhalt der Monarchie

Erst Anfang Februar hatte das norwegische Parlament mit überwältigender Mehrheit für den Erhalt der norwegischen Monarchie gestimmt. Davon berichtet eine junge Jura-Studentin, die langen, blonden Haare zu einem strengen Pferdeschwanz gebunden. 141 von 169 Abgeordneten hatten sich dafür ausgesprochen. 

„Jetzt denken die Leute aber anders darüber“, sagt sie mit Blick auf den Marius-Prozess. Auch wenn sie davon ausgeht, dass Marius ins Gefängnis kommen wird, sollten die norwegischen Royals nicht dafür abgestraft werden.

„Ich bin nicht dafür, dass die Monarchie abgeschafft werden sollte. Warum, kann ich nicht sagen – es ist einfach ein Gefühl“, sagt sie schüchtern.

BUNTE.de in Oslo: Marius-Prozess hat dazu geführt, dass Menschen auf Royals „herabschauen“

Miriam ist allerdings anderer Meinung. Die 20-Jährige mit den langen, braunen gelockten Haaren spricht sehr offen über ihre Gedanken zum Prozess, während sich viele ihrer Landsleute nur ungern darüber sprechen möchten. Das sei typisch für die Norweger, sich bei solchen privaten Sachen zurücknehmen, erklärt die junge Frau. Doch ihre Forderung ist klar: „Das einzige, was ich will, ist, dass Marius ins Gefängnis kommt.“

Sie habe zwar den Eindruck, dass Marius nie im Gesamtbild der norwegischen Königsfamilie wahrgenommen wurde. Doch der Prozess und Mette-Marits Verbindungen zu Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (†66) habe dazu geführt, dass die Norweger auf die Royals „herabschauen“. „Die Menschen wollen die Monarchie nicht mehr, sie haben genug davon“, sagt sie.

König Harald von Norwegen (89) hingegen genieße im Volk ein hohes Ansehen. „Die Norweger lieben ihn“, sagt sie und wischt mit einer Handbewegung scheinbar jegliche Kritik, die den Vater von Kronprinz Haakon (52) betreffen könnte, fort. Doch sie ist sich sicher: „Wenn König Harald stirbt, wird die Monarchie zerbrechen.“

„Die Dänen haben gefragt, wie es dem norwegischen Königshaus so geht“

Der Skandal um den Sohn der norwegischen Kronprinzessin hat jedoch nicht nur Entsetzen hervorgerufen, sondern auch Häme – insbesondere in der nordeuropäischen Nachbarschaft. Das erzählt eine junge Lettin mit hellbraunen Haaren, die in Norwegen arbeitet, in Form einer Anekdote. 

„Auf einer Dienstreise nach Dänemark wurden mein Freund und seine Kollegen von den Dänen gefragt, wie es dem norwegischen Königshaus so geht“, berichtet sie. „Die Dänen fanden das lustig, aber die Norweger haben keine Miene verzogen und nur gesagt, dass sie nicht darüber reden wollen.“

  • Marius Borg Høiby (29) steht seit dem 3. Februar vor Gericht
  • Er ist der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit und Morten Borg, Stiefsohn von Kronprinz Haakon von Norwegen
  • Für den Prozess am Bezirksgericht in Oslo sind 28 Prozesstage in sieben Wochen geplant, am 19. März enden die Schlussplädoyers
  • Marius Borg Høiby ist in 40 Punkten angeklagt, darunter Vergewaltigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung
  • Das Anwaltsduo Ellen Holager Andenæs und Petar Sekulic vertritt Marius Borg Høiby in dem komplexen Prozess
  • Das Gericht hat strenge Regeln für Medienvertreter aufgestellt, um die Privatsphäre der Geschädigten und des Angeklagten zu schützen

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