Doppeltorschütze Wirtz: Der entscheidende Mann gegen die Schweiz
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Uwe Kraft / IMAGO
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Die Defensive macht blau: Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat zum Auftakt ins WM-Jahr eine durchwachsene Leistung gezeigt. Im 56. Länderspiel gegen die Schweiz zeigte das Team von Julian Nagelsmann in Ansätzen, was der Bundestrainer fordert: hohes Pressing, kreative Kombinationen, Dominanz im Aufbau, eine flexible Offensivreihe, effektive Standardsituationen. Weil sich in den neuen blauen Auswärtstrikots jedoch Unkonzentriertheiten und Fehlpässe mit verhaltenem Zweikampfverhalten paarten, gingen die Gastgeber zweimal in Führung. Positiv war, wie die DFB-Elf zurückkam.
Das Ergebnis: Deutschland siegt 4:3 (2:2) in Basel, ein gelungener Start, wenn man nur aufs Ergebnis schaut. Doch bei drei Gegentoren gibt es genug zu kritisieren.
Die Startelf: Nagelsmann hatte vor dem Spiel betont, auf Experimente verzichten und seiner ersten Elf – so weit möglich bei verletzten Stammspielern wie Jamal Musiala – die Chance zum Einspielen geben zu wollen. Einzig die offensive Dreierreihe hinter Stürmer Kai Havertz war offen, Nagelsmann entschied sich für Serge Gnabry im Zentrum und damit gegen Nick Woltemade und Deniz Undav. Zudem rückte Leroy Sané auf die rechte Seite.
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Ein Fehler kommt selten allein: Kapitän Joshua Kimmich wird bei der WM auf der rechten Seite spielen, dort ist er alternativlos. Dabei agiert er nicht wie ein typischer Rechtsverteidiger an der Linie, sondern rückt oft in die Mitte. Bei Ballbesitz gewollt und gut, bei Ballverlusten gefährlich. Einen solchen Ballverlust leistete sich Nico Schlotterbeck in der ersten Hälfte, die Schweizer schalteten schnell um. Kimmich fehlte auf seiner Seite, Angelo Stiller griff Dan Ndoye wie in einem bedeutungslosen Testspiel an, nämlich gar nicht. Der Flügelspieler von Nottingham Forest ging locker vorbei und traf ins kurze Eck (17. Minute).
Wirtz ist wieder da: Bester Spieler auf dem Platz war Florian Wirtz vom FC Liverpool. Der ehemalige Leverkusener hatte nach seinem Wechsel einige Monate gebraucht, um sich an die neue Mannschaft in einer fremden Liga zu gewöhnen. Doch seit Beginn des Jahres sieht die Premier League immer häufiger den Wirtz, für den die Reds einen dreistelligen Millionenbetrag bezahlt haben. An diesem Abend in Basel bereitete Wirtz das 1:1 von Jonathan Tah mit einer Flanke vor (26.), nach der erneuten Führung durch Breel Embolo (41.) spielte er Serge Gnabry mit einem tollen Pass frei, der zum 2:2 traf (45.+2). Wirtz’ wahre Geniestreiche sollten aber nach der Pause folgen.
Debütant Karl:
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Fabrice Coffrini / AFP
Raab und Bully kommentieren wie irgendson Schnulli: Im linearen TV-Programm von RTL kommentierte Wolff Fuß das Spiel mit Rekordnationalspieler Lothar Matthäus an seiner Seite. Im Streamingportal RTL Plus bekamen die Zuschauenden zusätzlich die Möglichkeit, Stefan Raab und Michael »Bully« Herbig zu lauschen. Das war selten lustig (Raab: »Lennart Karl, oder wie ich sage, der Philipp Amthor des Fußballs.«), oft nicht gut aufeinander abgestimmt und letztlich ein sehr langer Werbetrailer für die gemeinsame Samstagabendshow der beiden Entertainer.
Ein Schuss, ein Treffer: In der zweiten Hälfte war es über weite Strecken ein Spiel auf ein Tor. Deutschland war nun das deutlich bessere Team, die Schweiz tat sich offensiv schwer. Als Wirtz – wie schon beim 1:1 nach einer kurz ausgeführten Ecke – mit einem genialen Schlenzer in den rechten Torwinkel für die erstmalige deutsche Führung sorgte (61.), hätte ein Topteam dieses Ergebnis verteidigt. Doch bis in die Weltspitze sind noch ein paar Schritte zu gehen, denn der eingewechselte Joel Monteiro durfte mit dem ersten gefährlichen Abschluss nach der Pause zum dritten Mal für die Schweiz treffen (79.). Der Siegtreffer war, wie hätte es an diesem Abend anders sein können, wieder Wirtz vorbehalten, erneut mit einem Schlenzer in den rechten Winkel (86.).
Die Baustelle im Sturm bleibt: Der Bundestrainer hat sich vorerst festgelegt. Havertz soll in den USA im Angriff spielen. Obwohl er lange verletzt war, obwohl er beim FC Arsenal noch nicht wieder Stammspieler ist, und vor allem, obwohl er kein klassischer Neuner ist. Aber das sind Nick Woltemade und Deniz Undav auch nicht. Havertz kam auf drei Torschüsse, verlor fast jeden Zweikampf (laut Kicker nur elf Prozent gewonnene Duelle) und wird in den kommenden Wochen mehr Spielpraxis sammeln müssen, um bei der WM unumstrittener Stammspieler zu sein.
Elf Joker sollt ihr sein: Der DFB verständigte sich mit dem Schweizer Verband nach einer Regeländerung des International Football Association Board (Ifab) auf elf mögliche Spielerwechsel. Nagelsmann verzichtete allerdings auf die Chance der inflationären Jokereinsätze, er wechselte mit Karl, Woltemade, Pascal Groß und Anton Stach gerade mal vier Spieler ein. Sein Gegenüber Murat Yakin wechselte bis auf Torhüter Gregor Kobel alle Spieler aus.
So geht es weiter: Am kommenden Montag steht für die DFB-Elf ein weiteres Testspiel an, in Stuttgart geht es gegen Ghana (20.45 Uhr). Mitte Mai, unmittelbar vor dem letzten Bundesliga-Spieltag, wird Nagelsmann seinen vorläufigen WM-Kader nominieren. Am 24. Mai trifft sich das Team in Herzogenaurach zum ersten Trainingslager. Am 31. Mai wird in Mainz gegen Finnland getestet, danach geht es nach Chicago, wo am 6. Juni der letzte Test gegen die USA ansteht. Das erste WM-Spiel gegen Curacao findet am 14. Juni statt.
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