Brasilien: Kann der deutsche Mittelstand gegen China bestehen?
Brasiliens Präsident Lula da Silva: Große Erwartungen der deutschen Industrie – auch mit Blick auf das EU-Mercosur-Abkommen. Foto: AFP
São Paulo. Für Poliana Lanari läuft es gut. Die Brasilienchefin des Steckverbinder-Spezialisten Harting meldet kräftiges Wachstum: In keiner anderen Region legte das Unternehmen weltweit zuletzt so stark zu wie in Amerika – mit Brasilien als dynamischstem Markt. Ob bei der Integration erneuerbarer Energien, beim Ausbau der Stromnetze oder in der wachsenden Bahnindustrie: Der Mittelständler aus Ostwestfalen-Lippe ist ein gefragter Zulieferer.
Doch der Erfolg hat eine Kehrseite. Immer häufiger trifft Harting in Brasilien auf Konkurrenten aus China – und manchmal sogar auf die eigene Technik. „Zum Teil konkurrieren die mit unseren eigenen Teilen, die in China hergestellt werden“, sagt Lanari. In Zügen chinesischer Hersteller, die nach Brasilien exportiert werden, stecken auch Komponenten aus Deutschland.
Der Wettbewerb um den wichtigen Zukunftsmarkt hat sich damit deutlich verschärft. Für viele deutsche Mittelständler stellt sich nicht mehr nur die Frage, wie stark Brasilien wächst – sondern ob sie dort gegen chinesische Anbieter bestehen können.
Entscheidend dafür könnte ein politisches Projekt werden: das EU-Mercosur-Abkommen. Der südamerikanische Staatenbund Mercosur umfasst Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Sollte das Abkommen in Kraft treten, würden die heute teils sehr hohen Importzölle von bis zu 35 Prozent schrittweise entfallen. Deutsche Unternehmen könnten ihre Produkte deutlich günstiger nach Brasilien liefern – und ihre Position gegenüber der chinesischen Konkurrenz stärken. Bleibt das Abkommen hingegen blockiert, droht sich der Kostennachteil weiter zu verfestigen.
Wie groß die strategische Bedeutung des Landes inzwischen ist, zeigt sich auch politisch: Brasilien ist in diesem Jahr Partnerland der Hannover Messe. Auch Präsident Luiz Inácio Lula da Silva wird zu Gast sein. Die deutsche Industrie verbindet damit große Erwartungen – auch mit Blick auf das EU-Mercosur-Abkommen.
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