Frankfurt. Die Finanzaufsicht Bafin greift in den Übernahmekampf zwischen der Commerzbank
„Die Unicredit hatte als Bieterin im Übernahmeverfahren Werbeanzeigen in reißerischer und unsachlicher Aufmachung in den sozialen Medien veröffentlicht“, kritisierte die Bafin
Die Behörde verweist auf das Wertpapierübernahmegesetz, das derartige Werbeaussagen während einer Akquisition untersagt. Wenn sich Unicredit nicht an die Anordnung der Finanzaufsicht hält, droht ihr ein Bußgeld. Das Mailänder Geldhaus räumte eine „zweideutige Formulierung“ ein, kritisierte aber zugleich eine „überaggressive und persönliche Wortwahl“ der Gegenseite.
Screenshot der inzwischen gelöschten Unicredit-Anzeige: Die Bafin kritisiert die Gangart. Foto: Screenshot; LinkedIn; Unicredit
In den Onlineanzeigen, die dem Handelsblatt vorliegen, bezeichnete Unicredit die Commerzbank als „vernachlässigt“, „unsicher“ und „kurzfristig orientiert“, kontrastiert mit einer Commerzbank unter Unicredit-Führung, die als „stark“, „wettbewerbsfähig“ und „führender Anbieter“ dargestellt wurde. Die Anzeigen waren parallel zu einer Telefonkonferenz veröffentlicht worden, in der Orcel für eine Übernahme der Commerzbank geworben und deren Führung angegriffen hatte. Inzwischen hat Unicredit sie entfernt.
Die Bafin machte in ihrer Mitteilung deutlich, dass sie nicht nur die Anzeigen kritisch sieht, sondern auch einige Aussagen Orcels.„Unsachliche Äußerungen, die Verbreitung irreführender Analysen und Prognosen sowie Werbung, die mehr auf die Suggestivkraft der Aussagen als auf deren wirtschaftlichen Kern abstellt, sind in Übernahmeverfahren nicht erlaubt“, erklärte sie.
Grundsätzliche Kritik am Geschäftsmodell
Mit ihrem Rüffel für Unicredit begegne die Bafin „Missständen im laufenden Übernahmeverfahren und schafft darüber hinaus Klarheit über die Grenzen von zulässiger Werbung im Zusammenhang mit Übernahmeangeboten“, teilte die Finanzaufsicht mit.
Ein Unicredit-Sprecher sagte, die Anzeige sei entworfen worden, um die „positive Vision“ zu vermitteln, die Unicredit für die Commerzbank habe. Die Übersetzung eines Wortes aus der ursprünglich englischen Aussage ins Deutsche könnte jedoch zu einer gewissen Mehrdeutigkeit geführt haben, räumte er ein. „Wir haben den Beitrag umgehend entfernt und sowohl der Commerzbank als auch allen, die nachgefragt haben, die Sachlage erklärt. Deshalb überrascht uns die Reaktion.“
Commerzbank kritisiert Unicredit – und widerspricht Vorwürfen deutlich
Zudem kritisierte der Sprecher die Commerzbank und andere Gegner einer Übernahme: „Wir sind der Ansicht, dass ein Teil der Rhetorik, mit der dieser Transaktion entgegengetreten wurde, von Beginn an überzogen, übermäßig aggressiv und stark personalisiert war“, sagte er.
Aus Sicht des Unicredit-Sprechers wäre es im Interesse aller Beteiligten, „diese Rhetorik zu mäßigen, damit sich alle auf den Kern der Sache konzentrieren können: nämlich darauf, wie die bestmögliche Zukunft für die Commerzbank gestaltet werden kann“, fügte er hinzu. „Das ist die einzige Frage, die wirklich zählt.“
Seit 2024 Anteil immer weiter erhöht
Die Bank aus Mailand verfügte zuletzt über 26,77 Prozent der Commerzbank-Anteile und hat über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Aktien. Damit kommt sie auf zusammen 29,99 Prozent. Ab einem Anteil von 30 Prozent müsste die Unicredit ein Angebot für die übrigen Commerzbank-Aktien abgeben.
Die Italiener waren 2024 im großen Stil bei dem Frankfurter Geldhaus eingestiegen und haben ihren Anteil seither immer weiter erhöht. Mitte März kündigten sie schließlich ein freiwilliges Tauschangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien an.
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Die Aktionäre der Unicredit sollen am 4. Mai auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der dazu notwendigen Kapitalerhöhung zustimmen. Das Commerzbank-Management und die Bundesregierung, die mit gut zwölf Prozent zweitgrößter Anteilseigner ist, lehnen eine Übernahme durch die Unicredit ab.
Mit Material von Reuters und dpa
Die erste Version dieses Artikels wurde am 24. April um 21.58 Uhr publiziert.



