Boldt-Antritt bei Hannover 96: 2. Liga war „nicht unbedingt mein Ziel“

Boldt-Antritt bei Hannover 96: 2. Liga war „nicht unbedingt mein Ziel“

Neuer Sportchef 

Boldt-Antritt bei Hannover 96: 2. Liga war „nicht unbedingt mein Ziel“

©IMAGO

Der Aufstieg in die Bundesliga: Das war schon das große Ziel, als Jonas Boldt noch für den Hamburger SV arbeitete. Und um nichts anderes geht es jetzt auch in seinem neuen Job bei Hannover 96. Am Montag wurde der 44-Jährige am Maschsee als Sport-Geschäftsführer vorgestellt.

„Mein erster Impuls war nicht sofort: Ja, das mache ich. Sondern das musste etwas reifen. Es war nicht unbedingt mein Ziel, wieder in der zweiten Liga zu arbeiten. Aber einer der Impulse war, wieder eine Rolle einzunehmen, in der ich Verantwortung haben und die Verantwortung vorleben kann. Ich bin eher Gestalter als Verwalter. Und dass das in der zweiten Liga mehr notwendig ist, als bei einem Klub, der schon etabliert und ganz gut positioniert ist, ist logisch“, so Boldt auf die Frage nach den Beweggründen seines Wechsels.

Bei den Niedersachsen, die am letzten Spieltag der Saison noch die Bundesliga-Relegation aus den Händen gaben, tritt der gebürtige Nürnberger in die Fußstapfen von Jörg Schmadtke und den seit März vakanten Posten des Sportchefs an. Boldts Aufgabe an der Leine ist klar, wenn man sich im Umfeld des Vereins umhört: Dem in diesem Jahr denkbar knapp verpassten Aufstieg soll aus Sicht der Anhänger idealerweise in zwölf Monaten ein Erfolgserlebnis folgen. Dafür gilt es, bei den Roten einen schlagkräftigen Kader ins Rennen zu schicken. Elf Verträge laufen aus, die Abgänge einiger Leistungsträger der Vorsaison stehen bereits fest. Mit Offensivtalent Yunus Ünal von Hertha BSC ebenso der erste Neuzugang.

„Was ich nicht vermisst habe in den letzten Monaten, sind Begriffe wie Umbruch oder schlafender Riese. Ich habe diesen Klub jedenfalls nicht schlafend wahrgenommen. Ich finde, dass der Klub ein sehr gutes Fundament hat, seriös aufgestellt ist und auch wirtschaftlich sehr solide dasteht. Das Ziel und der Wunsch, irgendwann wieder oben dabei zu sein, ist zum Glück da. Ohne diese Ambition hätte ich es mir auch schwergetan. Ich kann nicht versprechen, wann wir aufsteigen. Aber ich kann auf jeden Fall versprechen, dass das die Ambition sein wird.“

Der Zusammenarbeit mit Trainer Christian Titz und Sportdirektor Ralf Becker, beide ebenfalls mit HSV-Vergangenheit, blickt Boldt positiv entgegen. Beide Personalien waren in den letzten Tagen nach Saisonabschluss medial mehrfach infrage gestellt worden. Boldt räumte bei seinem Antritt mit jeglichen Gerüchten in diese Richtung auf.

„Ich habe mit Ralf Becker und Christian Titz zwei Personen, mit denen ich sehr gerne zusammenarbeite. Und damit kann ich auch die letzten Zweifel ausräumen, ob da irgendjemand wackelt oder nicht. Wenn man in der vergangenen Saison sieht: Acht ausverkaufte Spiele, Tabellenplatz vier, so gut wie lange nicht mehr – dann ist das schon auch ein Stück Arbeit des Trainers und des Trainerteams. Ich bin nicht der Typ, der schnell mit dem Finger auf jemanden zeigt und sagt: Du bist schuld. Der muss weg. Auch bei Ralf Becker komme ich nicht hierhin, klappe den Koffer auf und sage: Den und den Spieler holen wir jetzt. Meine Rolle wird etwas übergeordnet sein.“

Angesprochen auf die Strukturen beim niedersächsischen Traditionsklub und den nicht seltenen Zwists zwischen Vereins- und Kapitalseite, sagte Boldt: „Die Struktur in Hannover ist allgemein bekannt. Und es ging jetzt auch nicht darum, daran zu rütteln, sondern mit den handelnden Personen umzugehen. Und da hilft mir definitiv die Erfahrung aus Hamburg. Denn ich glaube: Mehr zerstrittene Lager, Gremien und sonst was wie zu meiner Anfangszeit dort, gibt es kaum noch einmal. Das habe ich mir hier auch ein Stück weit als Ziel gesetzt: Die Menschen bestmöglich mitzunehmen.“

Der Manager freue sich auf die kommenden Herausforderungen und habe sich zuletzt „nach fünf intensiven Jahren in Hamburg ein bisschen Zeit genommen, um Abstand zu gewinnen, mich weiterzubilden und mich mit sehr vielen anderen Sportarten zu beschäftigen. Vor allem, was Strukturen und Führung angeht. Natürlich wäre ich auch gerne als Kapitän beim Aufstieg des HSV dabei gewesen. Aber das, was wir dort entwickelt haben, dass wir die Kultur verändert und diese Leistungsambitionen eingebracht haben: Das ist schon etwas, worauf ich sehr stolz zurück gucke.“

Einer, der seine Entscheidung pro 96 unterstütze, sei auch Boldts Mentor Rudi Völler. Unter dem ehemaligen Bundestrainer und heutigen DFB-Direktor hatte er einst in Diensten von Bayer 04 Leverkusen sein Handwerk gelernt. „Er hat mir auf jeden Fall schon gratuliert zu diesem Job. Aber ich hatte ihn in meine Entscheidung auch mit eingebunden im Rahmen des Pokalfinals. Er hat mir sehr stark dazu geraten. Aber er kennt mich auch und weiß, dass ich so eine Art Aufgabe und Challenge wieder gesucht habe. Wir haben einen sehr regelmäßigen Austausch – ob in einer größeren Runde oder nur allein.“

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