Unfassbare Details im Mordprozess: Gina H. ließ ChatGPT eine Trauerrede für Fabian schreiben
… und schickte sie seinem Vater
Die Angeklagte Gina H. (30) verdeckte ihr Gesicht auch am 10. Prozesstag mit einer Mappe
Rostock – Sobald Gina H. (30) am Morgen aufwachte, nahm sie ihr Smartphone in die Hand – und legte es bis zum Abend nicht wieder weg. Fast ununterbrochen schickte sie Sprachnachrichten an Freunde und Bekannte, lud zwischendurch den Akku immer wieder auf. Diesen Dauerbetrieb unterbrach sie nur zweimal: Das erste Mal zu jener Zeit, als mutmaßlich der kleine Fabian (8) ermordet wurde.
Während des 10. Prozesstages sagte jetzt ein Ermittler vor dem Landgericht Rostock aus, der unzählige Handydaten der Angeklagten Gina H. analysiert hatte. In einer detaillierten Präsentation führte der Kriminalbeamte durch das Leben einer Frau, die offenbar von Eifersucht, Kontrollwahn und Egoismus getrieben war. Und die sogar die Künstliche Intelligenz nutzte, um andere zu täuschen.
Fabians Mutter Dorina L. (31) ist Nebenklägerin im Prozess und sitzt der Angeklagten gegenüber
„Fressen Wildschweine tote Menschen?“
Nachdem die Leiche des kleinen Jungen gefunden worden war, ließ sich Gina H. von ChatGPT eine Trauerrede schreiben und schickte den Text an Fabians Vater, der sich gerade von ihr getrennt hatte. Als der sie für die bewegenden Worte lobte, antwortete sie, dass er ja wisse, dass „eins ihrer großen Talente das Schreiben“ sei. In den Wochen vorher nutzte sie die Künstliche Intelligenz bereits, um ein Testament für sich aufzusetzen. Und am Tag nach Fabians Tod fragte sie Google: „Fressen Wildschweine tote Menschen?“
Fabians Vater Matthias R. während einer Prozesspause Ende April. Er ist inzwischen wieder mit Gina H. zusammen, glaubt an ihre Unschuld
Intensive Chats mit mehreren Männern
Die Auswertung der Handydaten und -nachrichten zeigt auch, dass Gina H. Fabians Vater dauerhaft kontrollierte. Sie forderte von Matthias R. (35) minutengenaue Updates, wann er sich bei der Arbeit an- und abmeldete oder sich auch nur ein Getränk holte. Jeglicher Kontakt zu seiner Ex-Frau, Fabians Mutter, schien sie eifersüchtig zu machen. Gleichzeitig schrieb die 30-Jährige jedoch intensiv mit mehreren anderen Männern. Selbst am Abend, nachdem der kleine Junge ermordet worden war, schickte sie einem Freund anzügliche Sprachnachrichten – während sie ihr Auto reinigte – mutmaßlich, um Spuren zu beseitigen. Fabians Vater schrieb sie parallel dazu besorgte Nachrichten.
Zweimal schaltete Gina H. ihr Handy aus
Doch ihr sonst so intensiv genutztes Smartphone weist laut der Ermittler zwei ungewöhnliche Phasen absoluter Funkstille auf. Exakt im angenommenen Tatzeitraum am 10. Oktober sowie am späten Abend des 13. Oktober schaltete sie ihr Handy bei vollem Akku aus. In jenen Stunden hatte sie nacheinander zwei Bekannte zum Tatort gelotst, um dort mit ihnen gemeinsam nach Fabian zu suchen …
Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt. Dann soll der Mann aussagen, den Gina H. zuerst zum Tatort führte.
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