»Tatort« aus Köln: »Die Schöpfung« mit Schenk und Ballauf

»Tatort« aus Köln: »Die Schöpfung« mit Schenk und Ballauf

Eine der größten Kulturbaustellen des Landes ist die Oper von Köln. Seit über zehn Jahren finden die Aufführungen an der Interimsspielstätte in Köln-Deutz statt, während unterschiedlichste Baufirmen am Haupthaus am Offenbachplatz für bislang 1,5 Milliarden Euro rumhämmern und rumbetonieren. Im September soll die Wiedereröffnung sein. Der neue Köln-»Tatort« spielt nun an den beiderseits des Rheins liegenden Orten des Provisoriums.

Im »Tatort« wird die Waffenmeisterin selbst mit einer Pistole erschossen, die eigentlich nur als Requisite diente. Eine Brünner CZ 75, eine tschechische Armeepistole aus Ostblockzeiten. Der Schuss ging präzise in die linke Herzhälfte. Blut wurde bemerkenswert wenig verspritzt, die Leiche dafür dekorhaft im Bühnenbereich arrangiert. Hier war offenbar ein Opernfan am Werk.

Deathmetal mit Willi Manilli

Auch Leiche zwei – CZ-75-Einschussloch ebenfalls in der linken Herzhälfte – ist effektsicher in Szene gesetzt. Sie baumelt von der Traverse an der Operndecke. Es handelt sich dabei um den Schuhmacher der Oper, der neben seinen Besohlungsaktivitäten größere künstlerische Ambitionen hatte. Seit 20 Jahren spielte er in der Death-Metal-Band The Manillis, er selbst nannte sich Willi Manilli. Gerade hatte er selbst ein Libretto geschrieben, so ein verschweintes Underground-Ding, bei dem Countertenor-Lamenti auf Deathmetal-Riffs treffen. Titel: »Das Schwein grunzt, als die Königin erschossen wird«. Die tote Waffenmeisterin war ebenfalls involviert. Schenk (Dietmar Bär) und Ballauf (Klaus J. Behrendt) fragen sich, ob das Ensemble der Deathmetal-Oper bald weiter ausgedünnt wird.

Bei aller Lust am bösen Witz nehmen Stauch und Fischer auch diesmal ihren musikalischen Stoff ernst. Das Libretto zur Deathmetal-Oper samt schwierigen Countertenor-Passagen schrieb Stauch mit dem Filmkomponisten Daniel Hoffknecht. Die meiste Musik stammt aber aus Haydns Oratorium »Die Schöpfung«, das trotz der Mordermittlungen von Chor und Orchester geprobt wird. Besonders die erste Hälfte ist behände und mit knackigen Dialogen inszeniert. Die Kommissare ziehen ihre Runden, während Möbel geschoben werden, Wände verputzt werden und Sängerinnen solo oder in größerer Formation tremolieren. Bühnentod und echter Tod sind zuweilen übereinander gelagert. Singend stirbt es sich nun mal am schönsten.

Schenk weiß: »Ein Opernsänger ist ein Mensch, der singt, statt zu bluten, wenn man ihm einen Dolch ins Herz stößt.«

Alles ist Kulisse, alles ist Rolle. Dieser heiter-fatalistische Tonfall färbt auch auf die unvermeidlichen Wo-waren-Sie-gestern-Abend-um-halb-zehn-Abfragen ab, die im Kölner TV-Revier nach über 28 Jahren in Betrieb oft besonders mechanisch klingen. An einer Stelle übernimmt einfach eine verdächtige Opernmitarbeiterin den Part der Verhörerin und flötet das Frage-Antwort-Protokoll herunter. Vernehmungen, die sich wie Musik anfühlen – dafür hat sich der Opernausflug doch schon mal gelohnt.

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