Minister Reul im Innenausschuss
Foto: Henning Kaiser / dpa
Minister Reul im Innenausschuss
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Die Art, wie die Täter ins Gebäude kamen, die mutmaßliche Schadenssumme: Vieles ist spektakulär an dem Sparkasseneinbruch in Gelsenkirchen. Und ebenso vieles ist noch unklar: Wer sind die Täter? Wieso konnten sie unbemerkt ein Loch in die Wand des Tresorraums bohren? Und: Wieso lagerten in den Schließfächern in einer armen Stadt wie Gelsenkirchen Dinge, deren Wert möglicherweise bei mehr als hundert Millionen Euro liegt?
Nun hat sich Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) bei einer Sondersitzung des Innenausschusses im Landtag zu dem Einbruch geäußert. Die Polizei suche inzwischen mit 230 Ermittlern nach den Tätern, sagte er. Es gebe eine »riesige Bereitschaft« unter den Beamten, sich an dem Fall zu beteiligen. Der Anspruch sei: »Das Ding klären wir auf.«
Die Sondersitzung hatte die SPD beantragt. Es solle auch um Fragen »hinsichtlich der sicherheitsrelevanten Schwachstellen der Bank« gehen, heißt es im Antrag der Oppositionspartei.
Anfang Januar hatte die Sparkasse Gelsenkirchen mitgeteilt, die Sicherheitstechnik in der Filiale im Stadtteil Buer sei »auf dem neuesten Stand«. Daran gibt es unter Ermittlern offenbar erhebliche Zweifel. Nach SPIEGEL-Informationen sollen im betroffenen Tresorraum keine Bewegungsmelder angebracht gewesen sein. Es soll zwar eine Kameraüberwachung gegeben haben, diese zeichnete aber wohl lediglich während der Öffnungszeiten der Filiale Bilder auf, also nicht während des Einbruchs.
Eine zentrale Frage der Ermittler ist, wie die Täter Ende Dezember in den Tresorraum der Sparkassen-Filiale gelangen konnten, ohne einen Einbruchalarm auszulösen. Sie hätten dabei mehrere Sicherheits-Systeme überwunden, unter anderem ein Rolltor und mehrere Türen, die eigentlich speziell gesichert oder nur von innen zu öffnen sind, sagte Reul. Schließlich bohrten sie sich zielgerichtet mit einem 40 Zentimeter großen Loch direkt in den Tresorraum.
Nach neuen Erkenntnissen der Ermittler steht inzwischen fest, dass die Täter offensichtlich durch eine manipulierte Fluchttür in das Gebäude gelangten. Durch die Manipulation sei den Tätern »ein ungehinderter Zugang vom Parkhaus in das Sparkassengebäude möglich« gewesen, hieß es von der Polizei.
Zwar habe es während der Tat zweimal einen Brandalarm aus der Bank gegeben. Diese Alarme seien Sache der Feuerwehr, sagte Reul laut WDR . Da die Feuerwehrleute keinen Rauch oder andere Hinweise auf einen Brand festgestellt hätten, sei der erste Alarm als Fehlalarm eingestuft worden. Der Einbruchalarm, der direkt bei der Polizei aufgelaufen wäre, sei jedoch stumm geblieben. »Das kann ganz viele Gründe haben«, sagte Reul. Geprüft werde unter anderem, ob die Alarmanlage ausgeschaltet oder kaputt war. Eine andere Möglichkeit: Den Tätern könnte es gelungen sein, sie zu überlisten. »Da stellen sich eine Reihe von Fragen. Aber ich bin sicher, irgendwann werden wir die beantworten«, sagte Reul.
Auch die Frage, ob die Täter Hilfe durch einen Insider hatten, müsse man klären. »Man denkt, man ist in einem Kinofilm, was Professionalität und Kaltschnäuzigkeit angeht«, sagte der Minister. »Dass das nicht klein Fritzchen war, der sich was ausgedacht hat, ist relativ wahrscheinlich.«
Loch in der Wand des Tresorraums
Foto: Polizei Gelsenkirchen / dpa
Die Ermittlungen dürften sich noch hinziehen: Im Tresorraum und dem danebenliegenden Archivraum hätten Schätzungen zufolge unter anderem 500.000 Gegenstände auf dem Boden gelegen. Diese müssten akribisch untersucht werden. »Das sieht aus wie eine Müllkippe«, sagte Reul. Alles müsse nun akribisch untersucht werden. »Auf jedem dieser Gegenstände könnten relevante Spuren sein.«
Anwälte wollen die Sparkasse juristisch für den Schaden belangen. Der Bank drohe »eine Klagewelle ungeahnten Ausmaßes«, sagte Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann der Nachrichtenagentur dpa. Er sehe Anzeichen einer Pflichtverletzung der Bank. Der Gelsenkirchener Sparkassenchef Michael Klotz hatte zuletzt Kritik an der Sicherheitstechnik zurückgewiesen. »Die Filiale mit dem Schließfachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert«, sagte er. Die Maßnahmen seien laufend verbessert worden.
Reul sagte dazu im Innenausschuss, um alle Fragen der Haftung müsse sich die Sparkasse kümmern. »Wenn irgendwer einen Fehler gemacht hat, muss er haften. Das ist immer so im Leben.«
Der genaue Wert der Beute wird weiter ermittelt. Eine erste Schätzung der Polizei ging von einem mittleren zweistelligen Millionenbereich aus, inzwischen halten Ermittler aber auch einen Schaden im dreistelligen Millionenbereich für realistisch. Wie viel Beute die Täter in den rund 3100 aufgebrochenen Bankschließfächern gemacht hätten, sei allerdings reine Spekulation, sagte Reul. »Nicht mal die Sparkasse weiß, was da drin ist, weil jeder Einzelne in sein Fach das reintut, was er reintun möchte.« Spekulationen über Schwarzgeld wies Reul laut WDR zurück und betonte den Opferschutz der Betroffenen.
Über die Sparkasse ist der Inhalt jedes Schließfachs bis zu einem Wert von 10.300 Euro versichert. Allerdings haben zahlreiche Schließfachbesitzer über ihre Anwälte schon angegeben, dass sie teils deutlich höhere Werte in ihrem Fach gelagert hätten.
Die Ermittler seien außerdem dabei, 10.000 Stunden Videomaterial auszuwerten, sagte Reul im Innenausschuss. Laut »Rheinischer Post« stammen die Aufnahmen aus umliegenden Überwachungskameras, zum Beispiel von Tankstellen. Insgesamt gebe es derzeit acht Terabyte Daten. »Wie viel davon wirklich brauchbar ist, weiß man nicht«, sagte Reul. Man müsse den Ermittlern jetzt die nötige Zeit geben. »Die eine Spur, die man ganz am Schluss findet, ist manchmal die, die einem hilft.«
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