Das seit Jahren unter politischer Instabilität und Machtkämpfen rivalisierender Banden leidende Haiti erlebt eine neue Welle der Gewalt. Wie die Uno-Sondermission in Haiti (Binuh) berichtet, wurden bei Kämpfen zwischen den Gangs in Vororten der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince in den vergangenen Tagen mindestens 78 Menschen getötet.
Unter den Toten seien zehn Bürger, die nicht den Banden angehörten, hieß es in der vorläufigen Bilanz. Seit Samstag wurden demnach zudem mindestens 66 Menschen verletzt.
Laut der Nachrichtenagentur AP waren bereits über das vergangene Wochenende Hunderte aus ihren Häusern geflohen, nachdem Gangmitglieder in der Nähe der Hauptstraße zum Flughafen von Port-au-Prince Häuser in Brand gesteckt hatten.
MSF schließt zeitweise Klinik
Die Nichtregierungsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) sah sich dazu gezwungen, den Betrieb in einer Klinik im Elendsviertel Cité Soleil einzustellen. Binnen zwölf Stunden hätten mehr als 40 Personen mit Schussverletzungen behandelt werden müssen, 800 Menschen hätten in der Einrichtung Schutz vor der Gewalt gesucht, teilte MSF am Dienstag mit .
»Es ist uns unmöglich, inmitten von Schüssen medizinische Versorgung zu gewährleisten. Ein Krankenhaus, dessen Personal nicht sicher ist, kann nicht funktionieren«, hieß es von der Organisation.
Haiti leidet seit Jahren unter politischer Instabilität, wirtschaftlicher Not und Gewalt. Die Ermordung des Präsidenten Jovenal Moïse im Juli 2021 stürzte das Land in eine tiefe Krise, seitdem ist der Führungsposten vakant.
Die Gangs kontrollieren laut AP mehr als 70 Prozent des Gebiets von Port-au-Prince. Der Anteil lag in der Vergangenheit teils noch höher, doch der Einfluss der Banden konnte durch ausgeweitete Polizeieinsätze offenbar etwas zurückgedrängt werden.



