Kommentar: Blumes riskante Wette – wer will noch eine VW-Fabrik?
VW-Chef Oliver Blume: 160 Seiten umfasst der Sanierungsplan, den er Anfang der Woche dem Aufsichtsrat vorgelegt hat. Foto: IMAGO/funke foto services
Was tun mit einer Million Autos zu viel im System? Zwei Jahre nach der letzten Einigung mit den Arbeitnehmern stellt sich die Werke-Frage bei Deutschlands größtem Autobauer Volkswagen
160 Seiten umfasst der Sanierungsplan, den der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume Anfang der Woche dem Aufsichtsrat vorgelegt hat. Zu beschließen gab es nichts. Viele der Maßnahmen klingen wie das kleine Einmaleins des Costcuttings im Autobau: Modellpalette straffen, Varianten reduzieren, Plattformen vereinfachen, Materialkosten senken. So weit, so normal bei VW.
Ein Teil ist allerdings besonders heikel: die Werke.
Vier VW-Standorte gelten im Industrie-Benchmarking als Kosten-Ausreißer – alle in Deutschland: Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm.
Politisch ist die Lage bereits aufgeheizt. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat Emden öffentlich eine Zukunft zugesichert.
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Das wurde mancherorts als Gegenposition zum Vorstand gelesen. Tatsächlich liegt Lies damit aber näher bei Blume, als es auf den ersten Blick scheint.
Denn auch der Konzernchef setzt auf einen moderaten Kurs. Blume spricht von „intelligenteren Methoden“ als Werksschließungen. Partnerschaften, neue Nutzungen, vielleicht Investoren – das ist die Idee. Volkswagens oberster Entscheider bildet damit eine Phalanx mit Land und Arbeitnehmern. Das ist taktisch klug. Denn Produktionsverlagerungen sind nur mit und nicht gegen diese Allianz im Aufsichtsrat durchsetzbar.



