Coletta Rydzek (r.) wird von Laura Gimmler empfangen
Foto: Filip Singer / EPA
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Geteilte Freude: Nach dem Teamsprint der Frauen stürmte Johannes Rydzek auf seine Schwester Coletta zu, sie umarmten sich, sie weinten zusammen. »Ich glaube, sie kann es selber gar nicht fassen, und ich habe nur gesagt: Du darfst es glauben, es ist nicht einfach so.« Das habe Johannes seiner Schwester mitgegeben, erzählte er später den deutschen Journalisten in Tesero. Immer wieder brach seine Stimme. Der Kombinierer Johannes Rydzek hat vier olympische Medaillen, zwei aus Gold. Das Bronze seiner Schwester brachte ihn dennoch nahe an den Nervenzusammenbruch, so sehr freut er sich. »Solche Geschichten schreibt nur Olympia«, meinte Johannes Rydzek. Man verzeiht solche Plattitüden doch gern.
Ergebnis: Im Teamsprint der Frauen holte das deutsche Team aus Laura Gimmler und Coletta Rydzek Bronze hinter Schweden und der Schweiz. Den Sieg sicherte Rydzek in einem langen und packenden Schlussspurt gegen die Norwegerin Julie Bjervig Drivenes.
Erinnerungen: Teamsprint der Frauen? Bei Olympia? War da nicht was? Natürlich! Vor vier Jahren holten Victoria Carl und Katharina Hennig Dotzler sensationell Gold in Peking. Jens-Jörg Rieck brüllte aus China in die ganze Welt ein jetzt schon legendäres »Hast du denn die Pfanne heiß.« Nun fehlt Carl wegen einer Dopingsperre, nachdem ihr ein Arzt einen verbotenen Hustensaft verabreicht hat. Ein Versehen, wie Carl und der Arzt beteuern, aber eine Sperre gibt es dennoch. Hennig Dotzler ist zwar bei Olympia, wurde aber für den Teamsprint nicht nominiert: Gimmler und Rydzek sind einfach schneller.
Klug: Beide haben schon im Weltcup gewonnen, sie gingen das Rennen sehr klug an. Hielten sich stets in der Spitzengruppe, verbrannten keine unnötigen Körner, um den völlig überlegenen Schwedinnen folgen zu wollen, hielten sich aus allen Schwamtützeln raus. Mal wechselten sie auf Position zehn, mal auf sechs. Sie waren immer im Rennen, aber nie so weit vorn wie am Schluss.
Immer dran geglaubt: »Ich wusste, ich muss alles reinhauen, damit unser Traum wahr wird«, sagte Rydzek hinterher. Eigentlich liegt ihr die 1,5 Kilometer lange Runde mit Anstiegen und einer langen Zielgeraden nicht so recht. »Manche haben ihr das vielleicht nicht zugetraut«, sagte ihr Bruder Johannes. »Ich glaube immer an Coletta«, meinte Trainer Per Nilsson. Und die glaubte an sich, flog auf der Zielgeraden, holte alles aus sich raus, den Oberkörper weit nach vorn gebeugt. Und tatsächlich: Es reichte.
Bronze-Gewinnerinnen Rydzek (l.) und Gimmler
Foto: Javier Soriano / AFP
Großer Bruder: Dass die Freude bei Johannes Rydzek, 34, so groß war, liegt auch daran, dass die beiden ein besonders enges Geschwisterverhältnis pflegen. Coletta lebt sogar in der Einliegerwohnung im Haus ihres Bruders. »Johannes und ich sind beide erwachsen, vor zehn Jahren hätte das nicht so gut funktioniert mit uns im selben Haus. Mittlerweile funktioniert es sehr gut«, sagte Coletta Rydzek vor den Spielen der »Süddeutschen Zeitung« über das Zusammenleben mit dem großen Bruder.
Langlauf meets Alpin: Dass Coletta, 28, einen ziemlich erfolgreichen Bruder hat, ist nicht die einzige Verbindung, die das Langlauf-Bronze-Duo im näheren Umfeld in die Welt des Wintersports hat. Coletta Rydzeks Partner hört auf den Namen Simon Jocher und ist der einzige deutsche Abfahrer, der für die Olympischen Spiele nominiert worden ist. Er überraschte seine Partnerin vor dem Teamsprint mit einem offenbar nicht angekündigten Kurzbesuch. Und auch Gimmler hat einen Freund aus der Welt des Skifahrens, den Franzosen Cyprien Sarrazin. Der war mal der beste Abfahrer der Welt, bevor er so schwer stürzte und um sein Leben kämpfen musste. Mittlerweile geht es ihm wieder gut, er und Gimmler gehen gern und viel Langlaufen. Anders Jocher, der den Sport nicht so mag. »Er ist nicht so der große Ausdauerfan«, sagt Rydzek.
Tierischer Begleiter: Bei der Qualifikation am Morgen stürmte ein Hund auf die Zielgerade. Ein tschechoslowakischer Wolfshund, wie die »Bild« herausgefunden haben will. Er jagte hinter der Griechin Konstantina Charalampidou und der Kroatin Tena Hadžić her, langsamer als Rydzek später, aber schon ziemlich schnell. Passiert ist glücklicherweise nichts, in die Wertung kam der Hund auch nicht.
Auf den Hund gekommen ist Tena Hadžić
Foto: Terje Pedersen / NTB / IMAGO
So geht’s weiter: Die deutschen Langläufer haben medaillenlose Olympische Spiele gerade noch so abgewendet. Denn: Es kommen zwar noch die Rennen über 50 Kilometer, da wird aus deutscher Sicht aber nichts gehen. Bronze ist wichtig fürs Team, für Sichtbarkeit, für Förderungen. Und natürlich fürs Gefühl; das hat man gesehen, als Gimmler und Rydzek vor Freude weinend im Zielraum standen.
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