Wismar: Rettungsversuch für gestrandeten Wal – Minister gibt grünes Licht

Wismar: Rettungsversuch für gestrandeten Wal – Minister gibt grünes Licht
Ein Fahrgastschiff fährt in Sichtweite des gestrandeten Buckelwals vorbei
Ein Fahrgastschiff fährt in Sichtweite des gestrandeten Buckelwals vorbei

Ein Fahrgastschiff fährt in Sichtweite des gestrandeten Buckelwals vorbei


Foto: Bernd Wüstneck / dpa

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Seit etwa zwei Wochen liegt ein verletzter Buckelwal in der Wismarbucht vor der Insel Poel. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hielt eine Rettung des Tieres eigentlich für ausgeschlossen, alle offiziellen Maßnahmen dazu wurden jüngst eingestellt. Nun jedoch hat er den Rettungsversuch einer privaten Initiative gebilligt: Die Behörden hätten das Konzept geprüft und ihm zugestimmt, sagte Backhaus bei einer Pressekonferenz in Schwerin.

Der Plan sehe eine Bergung des lebenden Tieres und einen Transport in die Nordsee und gegebenenfalls bis in den Atlantik vor, sagte Backhaus.

Versuch soll sofort beginnen

Der neue Rettungsversuch soll sofort beginnen. Backhaus zufolge schicke die Initiative zunächst Taucher ins Wasser, die Kontakt zu dem Tier aufnehmen und es beruhigen sollen, es seien »tierwohlstützende und leidlindernde Maßnahmen« vorgesehen. Der Tauchgang soll demnach 17.30 Uhr beendet sein.

Dabei soll auch der Untergrund untersucht werden. Geplant ist laut Backhaus, am Donnerstag Luftkissen unter das Tier zu bringen und es schonend anzuheben. Dazu soll Schlick unter ihm weggespült werden. Der Wal solle dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und transportiert werden. Gehe alles gut, könne der Transport aus der Region am Freitag beginnen, sagte Backhaus.

Ein Schlepper soll die beiden Pontons bis in die Nordsee und den Atlantik ziehen, um den Wal dort freizulassen.

»Mehr als einmal sterben kann er ja nicht«

Geplant und finanziert wird das Vorhaben den Angaben zufolge von den Unternehmern Karin Walter-Mommert und Walter Gunz. Bei ihnen und ihren Mitstreitern läge auch die Verantwortung für das Projekt, betonte der Minister: »Wir dulden dieses Vorhaben.« Die Behörden würden selbiges begleiten und auf die Einhaltung tierschutz- und umweltschutzrechtlicher Vorgaben achten.

Der Mediamarkt-Gründer Gunz gibt sich vor der Rettungsaktion pragmatisch: »Mehr als einmal sterben kann er ja nicht«, sagte Gunz der Nachrichtenagentur dpa. Ohne die Aktion werde der Wal in jedem Fall sterben. »Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet.«

Die Kosten der Rettung scheinen hingegen für Gunz kein Thema zu sein: Das Ganze werde »schon nicht hundert Millionen kosten«, sagte er. »Die Leute denken immer zu viel an Geld. Man darf sich da nicht verkrampfen«, sagte Gunz. »Geld ist eine Energie und man muss sorgfältig damit umgehen.« Geld, Kraft und Energie müsse man für das Richtige und Gute einsetzen.

Noch vor wenigen Tagen hatte sich Backhaus anders zu der privaten Rettungsinitiative geäußert. Damals sagte er, er finde es »grundsätzlich großartig, dass so viele Menschen bereit sind, dem Tier zu helfen – auch monetär«. Doch die Rettung des Wals werde nicht wegen Geldmangels aufgegeben, sondern wegen des Gesundheitszustands des Tieres, der Belastung und der fehlenden Perspektive für den Wal.

Das Tier sei nach wochenlangem Aufenthalt und vier Strandungen in der Ostsee weiter »in schwierigem Zustand« und nach allen bekannten Informationen »sicher schwer krank«, sagte Backhaus nun. Er habe aber immer gesagt, dass nach allen gangbaren »Lösungen im Sinn des Tiers« gesucht werden solle.

Meeresmuseum nicht in Wal-Rettungspläne einbezogen

In das neue Konzept war das Deutsche Meeresmuseum nach eigenen Angaben nicht eingebunden. Man teile mit, dass man »nicht in die Vorbereitungen der aktuell geplanten Lebendbergung des Buckelwals vor Poel einbezogen wurde«, hieß es in einer Stellungnahme des in der Hansestadt Stralsund beheimateten Museums. Auch das gesamte Konzept liege dem Museum nicht vor. »Die Fachleute erfuhren davon aus der Pressekonferenz«, teilte die Einrichtung nach dem Auftritt von Backhaus vor der Presse schmallippig mit.

Am Wochenende hatte der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, Zweifel an einer Lebendrettung geäußert. Dazu seien der Wasserstand zu niedrig und die Kräfte des Wals zu gering. »Eine neue Lagebewertung gibt es seitens der Stiftung Deutsches Meeresmuseum nicht«, hieß es nun in der Mitteilung.

Position des Wals seit Ende März unverändert

Das kranke und geschwächte Tier verharrt seit dem 31. März etwa an der gleichen Position und gibt immer wieder Geräusche von sich. Augenzeugen zufolge stößt der rund zwölf Meter lange Wal regelmäßig Luft aus. Aufgebaute Wassersprinkler benetzen ihn.

Die letzten Rettungsversuche wurden am 1. April eingestellt. Seitdem wird das Tier rund um die Uhr von Einsatzkräften der Polizei und Feuerwehr begleitet. Weitere Rettungsversuche waren aufgrund des schlechten Gesundheitszustands des Wals nicht geplant. Man wolle das Tier jetzt »in Frieden gehen lassen«, so Backhaus damals. Inzwischen reagiert der Wal nicht mehr auf Boote. Fachleute deuten dies als Zeichen für den Sterbeprozess.

Um das gestrandete Tier ist in den vergangenen Monaten ein Drama entstanden, das Morddrohungen, weinende Politiker und eine Schamanin beinhaltete. Wie kam es dazu? Und: Hätte man den Wal in Ruhe lassen sollen? Lesen Sie hier die Rekonstruktion zu dem Fall .

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