Experte zu Olli Pocher vs. Amira Aly: Was es mit Kindern macht, wenn Eltern sich bekämpfen

Experte zu Olli Pocher vs. Amira Aly: Was es mit Kindern macht, wenn Eltern sich bekämpfen
Olli Pocher vs. Amira Aly

Experte: Was es mit Kindern macht, wenn Eltern sich bekämpfen

Michael Schulte-Markwort

Michael Schulte-Markwort

von Michael Schulte-Markwort

13.06.2026, 17:25 Uhr

13. Juni 2026 um 17:25 Uhr

Während Ex Amira Aly ihre Baby-News teilt, stichelt Olli Pocher

Getty Images / Instagram amiraaly

Eine Trennung der Eltern belastet Kinder oft psychisch – noch mehr, wenn die Eltern sich dann auch noch offen beschimpfen und gegeneinander schießen.

  • Im Video oben erfährst du, wie Olli Pocher gegen die Baby-News von Ex Amira stichelt.

Aktuell teilt Oliver Pocher (48) öffentlich gegen seine Ex-Frau Amira Aly (33) aus. Streit und Feindseligkeiten zwischen Ex-Partnern sind nichts ungewöhnliches. Besonders schwierig wird es aber, wenn gemeinsame Kinder ins Spiel kommen. Denn: Vor allem die Kinder leiden darunter, wenn getrennte Eltern gegeneinander schießen.

Prof. Michael Schulte-Markwort ist Psychiater, Psychotherapeut und Universitätsprofessor mit Fokus auf Konzepte partizipativer Kinder- und Jugendpsychiatrie. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

Wie wirkt sich eine Trennung der Eltern auf die psychische Gesundheit von Kindern aus?

Stell dir vor, ein mit dir befreundetes Paar beginnt plötzlich, zu streiten und sich zu hassen. Für alle Freunde bedeutet dies, dass sie sich entscheiden müssen, mit wem von den zerstrittenen Freunden sie zukünftig noch Kontakt haben möchten, weil beide von ihnen Solidarität erwarten. 

Dasselbe gilt für Kinder von sich hassenden Eltern: Wie soll man Eltern lieben, wenn diese sich streiten, hassen und womöglich um die Kinder konkurrieren. Ein tiefer Loyalitätskonflikt wird die Kinder von nun an belasten und zerreißen. Kinder hören dann oft zwei Wahrheiten, die nicht übereinander passen. Das führt oft dazu, dass sie sich entscheiden müssen, zwischen Mutter und Vater, die sie gleichermaßen lieben.

Welche Folgen kann es haben, wenn Eltern sich vor den Kindern beschimpfen oder streiten?

Gegenseitige Abwertungen – erst recht in der Öffentlichkeit – verschärfen die Zerrissenheit der Kinder. Wie soll ihre Elternliebe weiterleben, wenn sie vergiftet wird durch den Hass und die gegenseitige Abwertung? 

Oft verdächtigen Kinder sich selbst, dass sie zu belastend waren für ihre Eltern, sodass diese sich jetzt so sehr streiten. Eine tiefe Verunsicherung bis hin zu Verzweiflung können die Folge sein. Depressionen, Selbstwertzweifel, schlechte Leistungen in der Schule können sich entwickeln und sind behandlungsbedürftig.

Wie können Eltern ihre Kinder während einer Trennung emotional unterstützen?

Eltern haben kein Recht auf ihre Kinder, sondern Kinder haben ein Recht auf Eltern. Eltern, die sich bemühen, ein Elternpaar zu bleiben, auch wenn sie kein Ehepaar mehr sind. Und es gilt der kaukasische Kreidekreis von Bertold Brecht: Eine Mutter und eine Amme streiten um ein Kind, das bei der Amme aufgewachsen ist und die Mutter nun zurückhaben möchte. Sie ziehen vor Gericht, der Richter mal einen Kreidekreis auf den Boden, stellt das Kind hinein und sagt zu den Frauen: „Zieht!”. Die Amme lässt los und bekommt das Kind zugesprochen. 

Wer an seinem Kind zieht, hat verloren, heißt der Merksatz für zerstrittene Eltern, die vor Gericht ziehen wegen Sorge- oder Umgangsrecht. Wenn es Eltern gelingt, ein Elternpaar zu bleiben, das sich einander vertraut und den jeweils anderen nicht ständig schlecht macht, können gute Eltern bleiben. Kinder, die mit zerstrittenen Eltern aufwachsen, haben in Bezug auf schädliche äußere Faktoren, das höchste Risiko, psychisch krank zu werden,.

Was sollten Eltern vermeiden, um ihre Kinder nicht zusätzlich zu belasten?

Oberstes Gebot für Eltern, die sich ständig streiten, ist die Friedenspflicht. Beide Eltern sind aufgefordert, den Menschen, den sie einmal geliebt haben, nicht zu hassen, sondern sich zu versöhnen, zu verpflichten und sich professionelle Hilfe im Sinne einer Mediation zu holen, wenn sie merken, dass sie es alleine nicht schaffen. 

Da Anwälte in der Regel innerhalb von Gegnern handeln, lohnt es sich, über eine gemeinsame Rechtsunterstützung nachzudenken. Eine strenge Trennung zwischen der erwachsenen und der kindlichen Ebene sollte unbedingt eingehalten werden. Kinder müssen nicht immer auch einbezogen werden. Es genügt, wenn sie über die juristischen Ergebnisse informiert werden, und nicht über den laufenden Streit. Das lässt sich durch öffentlich ausgetragene Streitigkeiten nicht aufhalten, weshalb sich die Einbeziehung der Öffentlichkeit verbietet.

Wann sollten Eltern professionelle Hilfe in der Kinder- und Jugendpsychiatrie suchen?

In Trennungs- und Streitsituationen sind Eltern besonders aufgerufen, sehr wachsam zu sein gegenüber Beschwerden oder Symptomen ihrer Kinder. Schulleistungsknicks, Schlafstörungen, Kopf- und Bauchschmerzen, Niedergeschlagenheit, Wesensveränderung und Traurigkeit oder Wut sind Symptome, zu denen zerstrittene Eltern sich professionelle Hilfe bei Kinder- und Jugendpsychiatern oder -psychologen holen sollten. 

Wichtig ist oft, damit nicht zu lange zu warten. Wenn es keinen Behandlungsbedarf gibt, umso besser. Für Kinder ist es oft hilfreich, jemanden außerhalb der Familie, unabhängig von den Eltern zu haben, der oder die an ihrer Seite steht und helfen kann, mit dem Hass der Eltern untereinander umzugehen.

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