Promi-„Blitz-Scheidungen“ im Check einer Familienrichterin
Wie schnell geht eine Scheidung wirklich? Warum es bei Promi-Trennungen oft wirkt, als ob alles ganz flott geht – und wann das tatsächlich der Fall ist.
„Scheidung bis Ende April“, so hat es Pierre Littbarski (66) Anfang April gegenüber BUNTE formuliert. Ein klarer Zeitpunkt, fast wie ein fest gebuchter Termin. Und er ist nicht der Erste, bei dem es nach außen so wirkt, als ließe sich das Ende einer Ehe erstaunlich zügig abwickeln.
Auf Trennung folgt bei Promis schnell die Scheidung
Immer wieder entsteht dieser Eindruck: Trennung öffentlich – kurze Zeit später ist alles vorbei. Wer sich mit der Praxis beschäftigt, merkt schnell: So einfach ist es nicht.
Kristina Herrmann Juristin, Familienrichterin und Mediatorin und begleitet Menschen bei Trennung. Sie ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Die meisten Menschen setzen gedanklich an der falschen Stelle an. Sie glauben, die Scheidung beginne mit dem Gang zum Anwalt oder mit dem Antrag bei Gericht. Tatsächlich liegt der entscheidende Moment viel früher: Eine Scheidung beginnt rechtlich mit der Trennung.
Und genau daran knüpft das an, was oft vergessen wird: das Trennungsjahr. Bevor ein Gericht eine Ehe scheiden kann, müssen die Ehepartner in der Regel mindestens ein Jahr getrennt leben. Ohne dieses Jahr gibt es grundsätzlich keine Scheidung.
Trennungsjahr entscheidet über Scheidungsablauf
Was zunächst wie eine formale Hürde wirkt, ist in Wahrheit eine Phase, in der sich entscheidet, wie die Scheidung später verläuft.
Getrennt leben bedeutet dabei mehr als räumliche Distanz. Auch in derselben Wohnung kann eine Trennung vorliegen – entscheidend ist, dass die eheliche Lebensgemeinschaft tatsächlich beendet ist: kein gemeinsamer Alltag, keine gemeinsame Haushaltsführung, eine klare wirtschaftliche Trennung von „Tisch und Bett“.
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Es gibt die „schnelle Scheidung”
Die „schnelle Scheidung“ ist also kein Mythos. Sie ist das Ergebnis von Vorbereitung.
Das Trennungsjahr spielt dabei eine zentrale Rolle. Es soll gerade die Zeit schaffen, in der diese Klärung möglich ist. Der Gesetzgeber will damit keine Verzögerung um ihrer selbst willen, sondern verhindern, dass grundlegende Fragen ungeklärt in ein streitiges Verfahren getragen werden.
Entscheidend ist aber noch etwas anderes
Wie schnell eine Scheidung am Ende wirklich geht, hängt nur zum Teil vom Gericht ab. Maßgeblich ist, ob die zentralen Fragen bereits geklärt sind: Wie wird das Vermögen aufgeteilt? Was gilt für Unterhalt? Wie wird der Umgang mit den Kindern geregelt?
Wenn diese Punkte offen sind, dauert ein Verfahren oft lange. Nicht selten über viele Jahre. Wenn sie hingegen bereits vorab geklärt werden – etwa im Rahmen einer Mediation – kann die eigentliche Scheidung erstaunlich schnell erfolgen. Dann beschränkt sich das gerichtliche Verfahren auf das Notwendige. In solchen Konstellationen sind Abschlüsse in wenigen Wochen nach Antragstellung durchaus realistisch.
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Promis machen Trennung erst spät öffentlich
In der Praxis ist genau das häufig der Knackpunkt. Viele Paare haben innerlich längst abgeschlossen, organisieren ihren Alltag aber weiter gemeinsam. Rechtlich beginnt das Trennungsjahr dann oft noch gar nicht.
Das erklärt auch, warum Scheidungen – gerade bei Prominenten wie Heike Maurer oder eben Fußball-Ikone Pierre Littbarski – oft schneller wirken, als sie tatsächlich sind. Wenn eine Trennung öffentlich wird, liegt der eigentliche Trennungszeitpunkt nicht selten schon Monate oder länger zurück. Das Jahr ist dann längst verstrichen, und das gerichtliche Verfahren bildet nur noch den formalen Abschluss.
Am Ende zeigt sich: Die Dauer einer Scheidung entscheidet sich nicht erst vor Gericht. Sie entscheidet sich davor. Aber Trennung und direkt wenige Monate später die Scheidung – das gibt es nicht.

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