Ruth Moschner zahlte 1.800 Euro für „Extradellen auf den Beinen”
von spot on news
02.06.2026, 07:50 Uhr
02. Juni 2026 um 07:50 Uhr
„Ich befinde mich im Prozess”: Moderatorin Ruth Moschner kämpft nach einer missglückten ästhetischen Behandlung vor Gericht gegen die Schönheitsklinik.
Im Gespräch über ihr neues Buch „Die Fuck-it-List-Challenge” (1.6., Knaur Verlag) schildert Ruth Moschner (50), welche Folgen der Eingriff für sie hat und warum sie den Fall weiterverfolgt.
Wie die Moderatorin erklärt, ließ sie sich in jungen Jahren die sogenannten Reiterhosen absaugen. „Heute würde man das Ganze wahrscheinlich als Lipödem diagnostizieren.” Rund 25 Jahre später unterzog sie sich drei weiteren Behandlungen an den Beinen, diesmal mit Radiofrequenz-Microneedling.
Ruth Moschner: „Extradellen” für 1.800 Euro
Die Eingriffe hätten ihr zufolge keine Verbesserung gebracht. Stattdessen sei Gewebe beschädigt worden. „Jede Behandlung kostet etwa 600 Euro, und die Ergebnisse lassen auf sich warten. In meinem Fall kamen sie nicht nur nicht, sondern meine Hautoberfläche und mein Unterhautfettgewebe wurden beschädigt. Ich hatte mir also für schlappe 1.800 Euro ein paar wirklich gut gelungene Extradellen auf den Beinen gegönnt.”
Ruth Moschner, die auch offen über das Älterwerden spricht, beschreibt den Fall als noch nicht abgeschlossen. „Ich befinde mich immer noch mittendrin im Prozess. Was mich am meisten entsetzt, ist das Verhalten der renommierten Schönheitsklinik.” Nach ihrer Darstellung sei bei einer Nachuntersuchung zunächst eingeräumt worden, dass etwas schiefgelaufen sei.
Später habe sie dann eine andere Darstellung erhalten. „und dann kam ein Schreiben, dass das Ergebnis wohl aufgrund meines Alters, eventuellen Gewichtsverlustes oder der Liposuktion vor 25 Jahren so geworden sei. Guter Witz. Im Prinzip beleidigen sie damit ihre Hauptzielgruppe”.
Patientenakte per Gerichtsbeschluss übergeben
Hinzu komme aus ihrer Sicht ein weiterer Punkt: „dass meine Patientenakte nicht freiwillig, sondern nur per Gerichtsbeschluss übergeben wurde”. Moschner sagt, sie werde in der Sache von einem Fachanwalt vertreten. Zudem tausche sie sich mit Ärztinnen aus den Bereichen Dermatologie und ästhetische Medizin aus. „Inzwischen weiß ich, nicht nur die Behandlung wurde falsch durchgeführt, auch die Aufklärung war mangelhaft.”
Noch deutlicher wird sie mit Blick auf den Umgang mit dem Fall: „Was mich jedoch am meisten entsetzt, ist, dass hier keine Verantwortung für einen offensichtlichen Fehler übernommen wird. Je mehr ich dazu recherchiere, bekomme ich den Eindruck, dass solche Institute sich darauf verlassen, dass Opfer verpfuschter Eingriffe sich zu sehr schämen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Also, wenn es zum Prozess kommt, lade ich alle herzlich dazu ein. Mir ist es inzwischen ein Anliegen, darüber aufzuklären, dass das alles nicht so harmlos ist, wie es immer verkauft wird.”
„Die ‚Fuck-it-List’ ist wie eine große Schwester”
Parallel dazu veröffentlicht Moschner ihr neues Buch „Die Fuck-it-List-Challenge”. Darin will sie Leserinnen und Leser ermutigen, Routinen zu hinterfragen und sich von alten Glaubenssätzen zu lösen.
Auslöser für das Buch ist nach ihren Worten auch die Konfrontation mit Vergänglichkeit. „Wenn man mit dem Ende konfrontiert wird, egal, ob das Menschen aus der Öffentlichkeit sind, oder Bekannte, Freundinnen und Freunde, ist das für mich stets eine Erinnerung ans Leben”, erklärt die Autorin: „Die zentrale Frage des Buches ist also die, die mich immer schon bewegt: Wenn Du noch 100 Tage zu leben hättest, was würdest Du lassen und wieso lässt Du es nicht sofort?”
Sie verweist dabei auf einen Podcast, den sie 2022 hörte. „Hier nimmt sie die Zuhörenden mit in die letzten Wochen ihres Lebens. Sie erzählte, dass sie keine To-Do-Liste mehr hat, sondern eher Dinge weglässt. Das hat mich erneut dazu inspiriert, mein Leben dahingehend zu überprüfen”.
Darüber hinaus habe sie gemerkt, wie prägend ihr Umfeld für sie sei. „dass ich ziemlich coole Leute kenne, deren Perspektiven mein Leben schon immer bereichern. Und das möchte ich gerne teilen. Die ‚Fuck-it-List’ ist wie eine große Schwester, ein Kinderbuch für Erwachsene voller Kraft und Motivation”. Ruth Moschners „Fuck-it-List“ zu mehr Selbstbestimmung erscheint im Knaur Verlag.
„Ehe und Kinderkriegen”: Nichts für Ruth Moschner
Beim Schreiben habe sie sich auch mit den eigenen Zielen und Motiven auseinandergesetzt. „Ich habe mich früher oft gefragt, wie ich möglichst schnell und effektiv an mein Ziel komme. Und wenn ich das erreicht hatte, kam das nächste Projekt. Ich frage mich heute viel öfter, warum ich überhaupt dieses Ziel erreichen möchte? Ist das wirklich MEIN Wunsch oder steckt eine gesellschaftliche Struktur dahinter? Betrachtet man das Ganze intersektional, den Part hat die systemische Therapeutin Sarah Henry übernommen, können wir noch viel mehr an Geschichte und System entlarven. Sich das nochmal vor Augen zu führen, motiviert mich sehr, Veränderungen zu unterstützen. Schritt für Schritt.”
Das Buchthema begleitet sie nach eigener Aussage schon lange. Es gehe darum, welche überholten Strukturen, Prinzipien und Formen der Selbstoptimierung man aus dem eigenen Leben streichen kann. „Ehrlich gesagt, erinnere ich mich an keine Zeit, in der das kein Thema war. Zum Glück hatte ich bei vielen Themen einen guten Instinkt und wusste, wenn etwas nicht stimmte. Beim Thema Ehe und Kinderkriegen war mir zum Beispiel schon sehr früh klar, dass das nichts für mich ist. Aber was den Körperkrieg mit mir selbst und der kapitalistischen Gesellschaft angeht, habe ich eine lange Geschichte hinter mir.”
Von (hub/spot)



