Die Wehrdienstreform treibt weiter viele junge männliche Menschen in Deutschland um. Plötzlich scheint es gar nicht mehr so unwahrscheinlich, dass man(n) den Dienst an der Waffe antritt. Und so steigt laut einem Bericht auch die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung in Deutschland weiter an.
Im ersten Quartal dieses Jahres hätten bereits 2656 Menschen einen entsprechenden Antrag gestellt, berichtet die »Neue Osnabrücker Zeitung« unter Berufung auf Angaben des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA).
Im gesamten Jahr 2024 hatten insgesamt 2998 Menschen einen solchen Antrag gestellt, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht. Im Jahr 2025 gingen bei der Behörde 3867 Anträge ein, wie eine Sprecherin im Januar der »Augsburger Allgemeinen« mitteilte. Hält der Trend an, könnte die Zahl 2026 auf den höchsten Stand seit Aussetzung der Wehrpflicht 2011 zusteuern.
Hintergrund dürften die angespannte Sicherheitslage und das Gesetz über den neuen Wehrdienst sein, das zum 1. Januar in Kraft trat. Kern ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008. So sollen Freiwillige für einen Ausbau der Truppe rekrutiert werden. Sollten die Zielkorridore verfehlt werden, kann der Bundestag über eine sogenannte Bedarfswehrpflicht entscheiden.
Parallel dazu gibt es aber auch eine Reihe von Menschen, die ihre bereits erfolgte Kriegsdienstverweigerung widerrufen. Im vergangenen Jahr war das dem Bericht zufolge 781 Mal der Fall, im ersten Quartal dieses Jahres bereits 233 Mal.
260.000 oder mehr aktive Soldaten angepeilt
In der vergangenen Woche hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) eine Militärstrategie vorgestellt (mehr dazu hier). Darin hält der Minister an dem Ziel von mindestens 260.000 aktiven Soldaten fest, obwohl hochrangige Militärs angesichts der wachsenden Bedrohung durch Russland eine deutlichere Aufstockung gefordert hatten.
Zusammen mit der Reserve solle die Truppe auf mindestens 460.000 Männer und Frauen anwachsen, sagte Pistorius am Mittwoch in Berlin. Ziel sei es, die stärkste konventionelle Armee in Europa zu werden. Die aktuelle Bedrohungslage erfordere strategische Klarheit. Im März hatte der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, André Wüstner, eine noch höhere Zahl aktiver Soldatinnen und Soldaten verlangt: Diese solle »über 300.000« liegen.
»Die Welt ist unberechenbarer geworden und, ja, man muss auch sagen, gefährlicher«, sagte Pistorius. Begleitet wird die Strategie von einem weiteren Papier, das die politischen Ziele in militärische Fähigkeiten übersetzt.
Schwerpunkt der Militärstrategie ist es, Bedrohungen aus Russland zu begegnen. Das Land bewerte den Westen grundsätzlich als feindlich und stelle den Beitritt demokratischer Staaten zur Nato als Einkreisung dar. Eine Umkehr dieser Entwicklung sei für Moskau zentrales Ziel.
Deutschland soll abwehrbereit werden, mit mehr Soldaten, neuer Technik: Zum ersten Mal bekommt die Bundeswehr eine Militärstrategie. Doch heikle Fragen bleiben offen. Mehr dazu hier .



