Führungskräfte: Ein Netzwerk für die Underdogs
Natalya Nepomnyashcha: Die Ukrainierin will Arbeiterkindern in den deutschen Führungsetagen eine Stimme geben. Foto: Daniel Hardge
Berlin. Lange Zeit habe ihre Herkunft dafür gesorgt, dass sie eine „gläserne Decke im Kopf“ hatte, sagt Natalya Nepomnyashcha. „Immer hat mir jemand gesagt: ‚Du bist nicht gut genug‘“, sagt die 36-Jährige, die heute Associate Director beim Wirtschaftsprüfungskonzern EY ist. Nepomnyashcha kam als Elfjährige mit ihren Eltern aus der Ukraine nach Deutschland. Sie wuchs in einem sozialen Brennpunkt am Rande von Augsburg auf, ihre Familie lebte von Hartz IV.
In der neunten Klasse beschloss sie, mit ihrem Einserschnitt von der Realschule aufs Gymnasium zu wechseln. Als sie dem Konrektor ihren Wunsch unterbreitete, habe der sie nur ausgelacht. Vor ihrem Studium machte sie ähnlich entmutigende Erfahrungen. Und sich bei EY zu bewerben – für sie schon damals ein „Traumarbeitgeber“ –, habe sie sich erst nach mehreren Jahren des Zögerns getraut.
Auch solche Selbstzweifel dürften ein Grund sein, weshalb es in deutschen Chefetagen so wenige soziale Aufsteiger wie Nepomnyashcha gibt. Zahlen des bekannten Elitenforschers Michael Hartmann zeigen: Seit 1970 stammten rund 80 Prozent der Chefs von Deutschlands 100 größten Unternehmen aus bürgerlichen oder großbürgerlichen Familien. Bei den Aufsichtsratsvorsitzenden waren es mit 83 Prozent noch mehr. An diesen Werten hat sich im 50-jährigen Messzeitraum kaum etwas geändert.



