Ancelotti spricht über Neymar-Nominierung – Politikum Brasilien-Kader

Ancelotti spricht über Neymar-Nominierung – Politikum Brasilien-Kader

Entscheidung am 18. Mai 

Ancelotti spricht über Neymar-Nominierung – Politikum Brasilien-Kader

©IMAGO

Nach schwierigen Jahren hofft Brasilien unter Carlo Ancelotti auf eine Rückkehr in glorreiche Zeiten. Der 66 Jahre alte Italiener ist bald ein Jahr im Amt und wird in Kürze seinen Kader für die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko nominieren. Im Land des fünfmaligen Weltmeisters ist die Kadernominierung ein Politikum, bei dem sich sogar schon Präsidenten eingemischt haben. Die meistdiskutierte Personalie in Brasilien ist Rekordtorschütze Neymar. Im Interview mit dem „Guardian“ hat Ancelotti über die anstehende Nominierung gesprochen.

Neymar, der in 128 Länderspielen 79-mal erfolgreich war und damit häufiger als Pelé traf, absolvierte seine letzte Partie für die Seleção im Oktober 2023. Seitdem plagen den 34 Jahre alten Ausnahmekönner diverse Verletzungen. Dennoch haben viele Brasilianer große Hoffnungen in den Offensivspieler des FC Santos. Laut einer Umfrage des Instituts Datafolha wünschen 53 Prozent Neymar im WM-Kader, 34 Prozent sind dagegen.

„Ob Neymar nominiert wird, hängt allein von ihm ab“, erklärte Ancelotti. „Es kommt darauf an, was der Spieler auf dem Platz zeigt. Das ist ein ganz klares Kriterium, und das gilt nicht nur für Neymar. Bei den meisten Spielern muss man sowohl das Talent als auch die körperliche Verfassung beurteilen. Bei Neymar müssen wir nur seine körperliche Verfassung beurteilen, denn sein Talent steht außer Frage. Es hängt von ihm ab, nicht von mir.“ Neymar ist mit vier Toren und zwei Vorlagen in sieben Partien vielversprechend in die Saison der Série A gestartet und steht im 55-köpfigen vorläufigen Aufgebot, das Ancelotti vorab bei der FIFA angeben musste. Am 18. Mai nominiert der Italiener seinen finalen Kader, der auf 26 Spieler reduziert wird.

Thiago Rabelo, Brasilien-Experte bei Transfermarkt, meint: „Er ist zweifellos die umstrittenste Figur auf Ancelottis Liste. Neymars Aufnahme in Ancelottis endgültigen Kader bleibt ein Rätsel. Vor den Verletzungen von Rodrygo und Estêvão waren seine Chancen gering, doch da beide Spieler ausfallen, könnte der Superstar durchaus wieder in Ancelottis Plänen auftauchen. Neymar konkurriert mit niemandem um einen WM-Einsatz. Er konkurriert nur mit sich selbst. Seine Statistiken schneiden im Vergleich zu anderen Spielern gut ab, aber gemessen an seinen eigenen früheren Leistungen sind sie etwas enttäuschend. Neymar hat einige meisterhafte Auftritte gezeigt, aber es mangelt ihm an Konstanz und Intensität in den Spielen.“

Brasilien-Kader: Ancelotti muss auf Rodrygo und Militão verzichten

Definitiv im Aufgebot fehlen werden die Real-Profis Rodrygo und Éder Militão, die das Turnier verletzungsbedingt verpassen. Zudem wackelt Chelsea-Youngster Estêvão, der an einer Oberschenkelverletzung laboriert. Chancen darf sich der 41-Jährige Thiago Silva ausrechnen, der kürzlich mit dem FC Porto Meister wurde. „Thiago Silva ist auf unserem Radar, ja. Er spielt sehr gut, hat die portugiesische Meisterschaft gewonnen und ist in hervorragender körperlicher Verfassung.“ Der langjährige Kapitän absolvierte bei der WM 2022 sein letztes Länderspiel und befindet sich ebenfalls im vorläufigen Aufgebot. Bei einem Einsatz würde er zum viertältesten Spieler der WM-Geschichte werden.

Eine weitere brisante Personalie ist Vinicius Junior, der unter Ancelotti bei Real Madrid zum Weltstar wurde, aber in der brasilianischen Nationalmannschaft nicht die Leistungen aus dem Verein bringt. In 47 Länderspielen war er nur achtmal erfolgreich. „Sehen Sie, die Verantwortung, die er für Brasilien trägt, ist enorm, besonders in letzter Zeit. Diese Verantwortung kann für ihn eine Belastung sein. Unsere Aufgabe in der Nationalmannschaft ist es, ihm etwas von dieser Last abzunehmen, damit er mit Freude, Energie und all seinen Qualitäten spielen kann“, sagte Ancelotti, unter dem Vinicius Junior in 198 Partien an 157 Toren beteiligt war. „Ich sehe Vinicius so, wie ich ihn bei Real Madrid gesehen habe, als einen spektakulären Spieler und einen spektakulären Menschen, der ein Spiel im Alleingang entscheiden kann. Er wird für Brasilien bei der Weltmeisterschaft sehr wichtig sein, aber wir können uns nicht nur auf einen einzigen Spieler konzentrieren. Wir müssen als Team denken. Nur so können wir die Weltmeisterschaft gewinnen.“

„Die Aufgabe eines Trainers ist sehr schwierig, weil man so viele Dinge unter einen Hut bringen muss. Da sind die Beziehungen zu den Spielern, zum Verein, zur Presse und zu den Fans. Es gibt so viele Aspekte dieses Jobs, die man bewältigen muss. Die größte Herausforderung dabei ist der Umgang mit Menschen – und das ist auch das Wichtigste“, erklärte Ancelotti. Im Kadertool von Transfermarkt kannst du die Aufgabe des Brasilien-Trainers jetzt selbst übernehmen.

Ancelotti über Brasilianer: „Besondere Liebe für das gelbe Trikot“

Das wichtigste Turnier im Fußball zu gewinnen, ist dem Rekordweltmeister seit 2002 nicht mehr gelungen. Seitdem scheiterte die Seleção viermal im Viertelfinale und 2014 beim Heimturnier gegen Deutschland im Halbfinale. Auch beim Turnier in Nordamerika gehört der fünfmalige Titelträger nicht zum Favoritenkreis, denn in den letzten Jahren ließen die sportlichen Leistungen zu wünschen übrig. In der WM-Qualifikation belegte Brasilien Platz fünf hinter Argentinien, Ecuador, Uruguay und Kolumbien. Gegen Erzrivale Argentinien verlor man zweimal, im März gab es ein 1:4, das Dorival Júnior den Job kostete.

„Ich mag den brasilianischen Geist wirklich sehr“, betonte Ancelotti. „Die Brasilianer hegen eine besondere Liebe für das gelbe Trikot. Diese besondere Liebe zur Nationalmannschaft ist ein typisch brasilianisches Merkmal. In anderen Ländern ist die Nationalmannschaft nicht so wichtig wie in Brasilien.“ Von zehn Partien mit Brasilien gewann er fünf, dreimal ging er als Verlierer vom Platz. „Ich bin nicht besessen davon, die Weltmeisterschaft zu gewinnen, aber ich habe die Freude und die Leidenschaft, den Moment zu genießen, den ich gerade erlebe, während ich die wichtigste Nationalmannschaft der Welt trainiere.“

Ancelotti soll die 24 Jahre lange Durststrecke Brasiliens beenden, auch wenn man nicht zum Kreis der Top-Favoriten zählt. In der Gruppe ist die Seleção gegen Marokko, Haiti und Schottland der klare Favorit. Doch bevor es zum Turnier geht, muss der fünffache Champions-League-Sieger eine der wichtigsten und brisantesten Fragen der Nation klären: Welche Spieler fahren zur WM?

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